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Der Schatz am Ende des Regenbogens

Dieses Thema im Forum 'Benutzerecke' wurde von -kulli- gestartet, 16 November 2013.

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  1. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

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  2. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Vorwort


    Sonne, Strand und Palmen, eine leichte Meeresbrise. Wir hätten uns weiß Gott ein ungemütlicheres Fleckchen Erde aussuchen können.
    Wir, das war ein wild durcheinander gewürfelter Haufen von Leuten, die charakterlich kaum unterschiedlicher hätten sein können, die jedoch alle ein großer Traum verband.
    Auf der Suche nach einem Abenteuer waren wir hier nacheinander gestrandet und hatten im Laufe der Zeit aus einem kleinen einsamen Eiland unsere Trauminsel geschaffen.
    Wie viel Abenteuer uns jedoch noch bevorstehen würde, konnte damals wohl noch niemand wissen. Hätten wir es jedoch geahnt, wären wir dann wirklich hierher aufgebrochen? Diese Geschichte hätte jedenfalls einen völlig anderen Verlauf genommen. Genau genommen könnte ich euch jetzt nicht einmal davon berichten. So aber steckten wir plötzlich mittendrin in einem Abenteuer, welches nicht größer, faszinierender aber auch beängstigender hätte sein können. Aber lest selbst:


    Teil 1


    Nichts war mehr so wie vorher. Über unsere Idylle waren dunkle Wolken aufgezogen. Zwar schien die Sonne wie bisher mit aller Kraft, noch gingen wir alle unserem Tagwerk nach, doch eine seltsame Unruhe machte sich breit. Wir waren nicht mehr allein.
    In den frühen Morgenstunden schon hatte ein dunkler Punkt am Horizont unsere Aufmerksamkeit erregt. Kurze Zeit später wussten wir dann, was sich uns näherte: Ein Schiff, so stolz und majestätisch bahnte sich den Weg durch die Wellen und steuerte direkt auf unsere Insel zu. Und die schwarzen Segel ließen nichts Gutes erahnen.
    Was, wenn man uns jetzt hier entdecken würde? Unsere ganze Hoffnung ging dahin, dass dies nicht passieren würde. Wir mussten uns nur versteckt halten, dann ging die Gefahr vielleicht an uns vorüber. So dachten wir jedenfalls.
    Zur Untätigkeit verdammt, beobachteten wir also aus unserem Versteck heraus, wie das Schiff vor Anker ging und die Boote zu Wasser gelassen wurden.
    Bald schon setzten die ersten der Männer ihre Füße an Land und ihr Aussehen, ihre Kleidung sowie ihr Benehmen trugen nur noch mehr zu unserer Beunruhigung bei.
    Piraten! Da waren tatsächlich echte Piraten auf unsere Insel gekommen und uns blieb nur die Hoffnung, sie würden uns nicht entdecken und bald schon weiter segeln. In einer kleinen geschützten Bucht schlugen die finsteren Gestalten ihr Lager auf und während sie laut grölend aßen und noch viel mehr tranken, fragten wir uns besorgt, warum sie ausgerechnet hier an Land gegangen waren.
    Die Abenddämmerung brach herein und die Sonne versank im Meer. Am Strand war Ruhe eingekehrt. Während sich die meisten der Männer niedergelegt hatten und ihren Rausch ausschliefen, saß nur einer von ihnen etwas abseits, um Wache zu halten.
    Wir beschlossen also, es ihnen gleich zu tun, damit wir wenigstens etwas Ruhe bekämen. Die Reihenfolge unserer Wachschichten ließen wir das Los entscheiden. Es kam, wie es kommen musste, das Schicksal hatte mich dazu auserkoren, den Anfang zu machen.
    Da saß ich nun, allein hinter einem kleinen Gebüsch versteckt und betete, dass diese Nacht nur schnell vergehen möge. Die Nerven und jeden Muskel angespannt lauschte ich in die nächtliche Stille, bis mich dann doch irgendwann die Müdigkeit übermannte.

    Ich kann nicht sagen, wie lange ich da so vor mich hin döste, bis ich plötzlich aufschreckte und aufsprang. Irgendetwas hatte mich geweckt, real oder im Traum, ich konnte es nicht sagen.
    Ich wagte kaum zu atmen und lauschte angestrengt.
    Und dann hörte ich es: Vom Strand schallten schreckliche und furchterregende Laute zu mir herüber. Ich musste wissen, was da vor sich ging, um die anderen im Notfall warnen zu können. Vorsichtig schlich ich mich näher heran. Endlich fand ich im Schutz der Büsche und Sträucher ein Plätzchen, an dem ich mich halbwegs sicher fühlte und gute Sicht in Richtung Strand hatte.
    Was ich dort sah, war beängstigend und faszinierend zugleich.
     
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  3. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 2

    Die wilde Horde da unten am Strand war aus dem Rausch erwacht. Während sich die Ersten schon um den nächsten Schluck Rum stritten, liefen Andere aufgeregt durcheinander. Es hatte den Anschein, als wären sie auf der Suche nach etwas Bestimmten. Langsam dämmerte mir, das Objekt ihrer Begierde war in meiner Hosentasche versteckt, die Schatzkarte, die wir Tage zuvor gefunden hatten.Panik schnürte mir den Hals zu.
    Eigentlich hätte ich spätestens jetzt los rennen und alle warnen müssen, doch ich war wie erstarrt.Seltsamerweise sahen diese Männer im Mondlicht gar nicht mehr sooo schrecklich aus. Sie schienen tatsächlich menschliche Züge zu haben.Am Himmel zogen immer mehr Wolken auf und ganz langsam senkte sich Dunkelheit über das Geschehen. Doch kurz bevor sich der Wolkenvorhang komplett schloss, drang ein letzter Strahl zu Boden und tauchte alles in ein goldenes Licht. Es war, als sollte ich um nichts in der Welt verpassen, was sich kurz darauf ereignete.

    ... Während der Tumult immer größer wurde und die ersten Kerle auch nicht mehr vor Handgreiflichkeiten zurückschreckten, nur um einen Schluck aus dem begehrenswerten Fass Rum zu erkämpfen, gab es da doch eine Ausnahme.
    Der Mann, ich vermutete, es sei der Captain, stand abseits von dem wilden Haufen und starrte nachdenklich aufs Meer hinaus.
    Nur manchmal ließ er seinen Blick über die Kulisse der Insel streifen, um sich dann aber doch wieder der See zuzuwenden. All das Lärmen und Toben um ihn herum schien ihn nicht im Geringsten in seiner Konzentration zu stören.
    Wonach suchte er? Und was erwartete er?
    Um vielleicht doch noch etwas erkennen zu können, rutschte ich noch etwas näher heran. Doch alles, was ich sah, waren die "Jenny 1", die in der Ferne gemütlich auf den Wellen schaukelte und die "Black Mary", das prächtige Schiff unserer Besucher.
    Vorsichtig schob ich ein paar Zweige beiseite, die drohten, mir das Gesicht zu zerkratzen. KNACK, KNACK.... Stille....Mein Herzschlag beschleunigte sich. Wie es jedoch schien, machte ich mich völlig umsonst verrückt. Niemand hatte etwas bemerkt. Wirklich niemand???
    Abseits einer tobenden und grölenden Crew stand ihr Captain. Sein suchender Blick streifte über meinen Schutzwall aus Sträuchern, um dann genau an der Stelle zu verharren, wo ich zusammengekauert darauf wartete, dass dieser Alptraum endlich endete.
    Gerade als ich glaubte, es könne nicht mehr schlimmer werden, geschah es.
    Die Veränderung begann fast unbemerkt. Doch die Piraten schienen es zu spüren.Die Wellen, die eben noch leise an den Strand plätscherten, rollten in immer kürzer werdenden Abständen über den Sand und schienen sich immer mehr aufzubauen. Die Schaumkronen, die sie mit sich trugen leuchteten in den verrücktesten Farben.Es war ein faszinierender, wenn auch beängstigender Anblick und ich hätte mich um Nichts in der Welt davon losreißen können.
    Unter den Männern herrschte jetzt eine gespenstische Ruhe. Auch der Letzte unter ihnen schien begriffen zu haben, dass etwas Unheilvolles bevorstand.
    Und dann geschah es. In Sekundenschnelle baute sich eine gigantische Wand aus Wasser auf. Diese bewegte sich unaufhaltsam auf den Strand zu.Das Wasser begann, sich zu verändern und für den Bruchteil eines Augenblicks glaubte ich, darin etwas zu erkennen. Es war mehr eine Ahnung, ein Gefühl, doch es schien als wäre das Innere lebendig.Ich hätte schwören können, eine Gestalt mit menschlichen Umrissen zu erkennen.Doch war das wirklich real? Bildete ich mir das Ganze vielleicht doch nur ein?
    Ich war versucht, mir eine Sinnestäuschung einzureden, wäre da nicht diese Stimme gewesen. Eine Stimme,die durch Mark und Bein ging und die ich wohl nie wieder vergessen werde.
    "Ihr entkommt mir niemals! Bald schon gehört ihr mir!"
    Bevor ich auch nur ansatzweise die Möglichkeit hatte, zu realisieren, was da vor sich ging, war auch alles schon wieder vorbei.Die Wolkendecke riss auf und der Mond erhellte den Strand mit seinem kühlen Licht.

    Am Horizont schaukelte die "Jenny 1" träge auf den Wellen und im Vordergrund ragte die imposante "Black Mary" auf.Hatten mir meine Sinne einen Streich gespielt? War das Alles nur eine trügerische Fiktion?
    Wie gern hätte ich mir eingeredet, meine überstrapazierten Nerven hätten mir einen Streich gespielt.Doch da war dieser traurige und fassungslose Haufen Männer da unten am Strand. Nein, dies war kein böser Traum, dies war die bittere Realität!
    Ich hatte genug gesehen und wollte nur noch weg von hier. Bevor ich jedoch auch nur einen Muskel bewegen konnte, spürte ich einen leichten Hauch im Nacken. Mir blieb keine Zeit mehr, um hinter mich zu sehen. Eine große starke Hand legte sich blitzschnell auf meinen Mund und erstickte meinen panischen Hilfeschrei...
     
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  4. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 3

    Ich kann euch nicht sagen, wie lange es brauchte, bis ich wieder zu mir kam. Vorsichtig öffnete ich die Augen. Um mich herum herrschte Dunkelheit. Es war kalt und feucht. Die Luft war von einem muffigen Geruch erfüllt. Ganz langsam gewöhnten sich meine Augen an die neue Situation und langsam erkannte ich einige Umrisse.
    Ich schien mich in einer Höhle zu befinden., um mich herum nur kaltes glattes Felsgestein. Und direkt vor mir eine Horde wilder Piraten.
    Jetzt hätte ich eigentlich völlig verängstigt schreien und um mich schlagen sollen, doch etwas an ihrem Anblick sagte mir, dass dies nicht nötig sein würde. Sie würden mir nichts antun. Diese Männer hatten mindestens genau so viel Angst vor mir, wie ich vor ihnen.
    Es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir genug Vertrauen zueinander gefasst hatten, um unsere Geschichten auszutauschen. So erfuhr ich dann die ganze traurige Wahrheit über diese Männer......

    Schon seit fast einhundert Jahren waren diese armen Burschen nun schon dazu verdammt, über das weite Meer zu segeln, all den tosenden Stürmen ausgeliefert.
    Mit an Bord aber auch immer diese schreckliche Angst, einem feindlichen Angriff nicht standzuhalten und somit in den Fluten zu versinken. Doch eine noch viel größere Gefahr lauerte auf sie. Alle waren sich dessen bewusst, doch hatten sie im Laufe der Zeit, beinahe alle Hoffnung verloren, ihrem Schicksal doch noch zu entkommen.
    Denn so wie die Jahre zerrannen, verging auch die Zeit, die ihnen noch blieb, um doch noch alles zum Guten zu wenden.
    Nur noch wenige Wochen waren ihnen geblieben, dann würde sich der Fluch der mächtigen Wasserhexe Phylixa vollenden. Diese hatte die Männer mit einem schrecklichen Bann belegt, nur weil sie auf der Suche nach Reichtum und Glück einen gewaltigen Fehler begangen hatten. Einen Fehler, den es jetzt galt wieder gut zu machen.....

    Vor vielen, vielen Jahren waren sie an Bord der "Black Mary" in See gestochen. Sie alle waren viel zu jung und unerfahren gewesen und hatten den Versprechungen ihres damaligen Captains Black Crow blind vertraut.
    Unendliche Reichtümer und großes Ansehen hatte er ihnen in Aussicht gestellt. Als sie endlich begriffen, dass dies alles nur leere Worte waren, war es längst zu spät. Sie waren nichts weiter als Marionetten in einem viel größerem Spiel und ein Entkommen gab es nicht.
    Die "Black Mary" fuhr nämlich unter einem ganz besonderem Segel. Der Captain hatte sich und seine Dienste schon vor langer Zeit an die Wasserhexe verkauft.
    So fuhren sie also Jahr für Jahr über die Meere und bestanden so manche schwierige Herausforderung. Von all den Schätzen allerdings, die sie im Laufe der Zeit anhäuften, blieb ihnen nichts. Ihre Aufgabe bestand lediglich darin, Phylixa`s unermesslichen Reichtum noch zu vermehren.

    Und es kam, wie es kommen musste......
    Eines Tages hatte einer von ihnen nicht länger widerstehen können und hatte unbemerkt eine geheimnisvolle Schatzkarte in seinen Besitz gebracht. Dass dieser Jemand ausgerechnet ihr eigener Captain sein würde, der sie mit dieser Tat alle in Gefahr brachte, hatte wohl niemand vorausgesehen.
    Die Männer taten das, was ihr Piratencodex ihnen sagte. Sie ließen Black Crow auf einer einsamen Insel zurück, statteten ihn mit einigen Lebensmitteln aus und ließen ihm seine Pistole mit genau einer Kugel.
    Joe wurde von den Männern zu ihrem neuen Captain gewählt und das Schiff stand fortan unter seinem Kommando.
    Jetzt waren sie zwar im Besitz der geheimnisvollen Karte, doch niemand von ihnen wusste, an welchem Ende der Welt sie mit der Suche beginnen sollten. Doch eines wussten sie genau. Sollte es ihnen gelingen, die Karte zu entschlüsseln und den darauf verzeichneten Schatz zu bergen, würde dies ihre Freiheit bedeuten. Keiner konnte sagen, wonach sie suchten, aber es musste etwas Bedeutendes sein, womit sie Phylixa in ihre Schranken weisen, wenn nicht gar vernichten konnten. Und ihnen blieben genau einhundert Jahre für ihr Vorhaben. Sollte es in dieser Zeit nicht gelingen, wären sie auf ewig zu einem Leben in der Unterwelt verdammt.

    Und so fuhren sie fortan übers Meer. So wie die Jahre vergingen, schwand auch ihre Hoffnung. Mittlerweile war ein Großteil der Zeit verstrichen und der entscheidende Tag rückte näher, an dem sich ihr Schicksal entscheiden würde.
     
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  5. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 4
    Es waren schwere Jahre. Waren sie allesamt auch schon einige Zeit zusammen über die Meere gefahren und hatten sich an die mehr als bescheidenen Verhältnisse an Bord gewöhnt, so hiess es jetzt mit einer völlig neuen Situation umzugehen.
    Die ersten Jahre waren besonders schwierig.
    Joe war zwar mit der Seefahrt und der Piraterie vertraut, doch fiel es ihm schwer, sich in seine neue Rolle als Captain einzufinden.
    Mehr als einmal traf er eine falsche Entscheidung.
    Die Männer aber vertrauten ihm, wussten sie doch, dass es keinen Besseren für diese Aufgabe geben würde.
    Schon oft hatte er bewiesen, dass er bereit war, Alles für sie zu geben, wenn es nötig wäre, sogar sein eigenes Leben. Und die Männer waren bereit, das Selbe für ihn zu tun.
    Zuviel hatten sie schon gesehen und erlebt. Dies hatte die Mannschaft zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden lassen, ja fast zu einer Familie, die keiner von ihnen jemals kennen gelernt hatte.
    An Bord gab es feste Regeln, die jeder Mann ohne Murren anerkannte, wussten sie doch, dass es ohne kein Überleben geben konnte.
    Auch wenn diese für uns vielleicht schwer zu verstehen sind, hatten sie alle einen tieferen Sinn.
    So hatte jeder Mann zB. ein Mitspracherecht, wenn es um grössere Entscheidungen ging. An Bord waren sie alle gleichgestellt und somit wurde die Beute auch immer ehrlich unter den Männern aufgeteilt.
    Um Unfrieden untereinander zu vermeiden, wurde niemals um Geld oder andere Wertgegenstände gespielt. Und sollte doch einmal jemand einen Anderen bestehlen, so hatte er die Konsequenzen zu tragen. Er wurde unverzüglich von der Mannschaft verstossen und auf einer einsamen Insel zurückgelassen.
    Doch noch nie war es auf der "Black Mary" dazu gekommen. Nie würde einer der Männer die anderen hintergehen, dazu brauchten sie einander zu sehr.
    Die Piraten konnten einander blind vertrauen, kämpften sie doch alle gegen das gleiche Schicksal an.

    Auf ihrer endlosen Reise waren die Männer eines Tages auf unsere Insel gekommen, in der Hoffnung endlich am Ziel ihrer Suche zu sein.
    Und da es auf diesem Eiland keine Anzeichen gab, dass jemals ein menschliches Wesen seinen Fuss hier an Land gesetzt hatte, wurde es schnell zu ihrem Zufluchtsort.
    In regelmässigen Abständen kamen sie immer wieder hierher zurück, um Kraft und Ruhe zu tanken. Hier in dieser Abgeschiedenheit konnten sie kurz zur Ruhe kommen, neue Pläne schmieden und wenn es sein musste, Schutz vor feindlichen Schiffen suchen.
    Die kleine Bucht auf der anderen Seite der Insel mit all ihren Felsvorsprüngen bot in solchen Fällen den perfekten Schutz.
    Die Höhlen, die das Meer in tausenden von Jahren in das Felsgestein gespült hatte, boten die idealen Lagerplätze für ihre Vorräte und waren sichere Verstecke für all die Schätze die die Männer im Laufe der Zeit haben anhäufen können.
    Als sie dann aber durch einen Zufall auch noch die wundersame Wirkung des Jungbrunnens entdeckt hatten, waren sich die Männer sicher. Die Insel bedeutete ihre Rettung. Sie gab ihnen bei jedem Aufenthalt neue Hoffnung. Und so kam diese kleine wunderschöne Insel zu ihrem Namen..... Little Hope Island

    Und ein kleines bisschen Hoffnung konnten die Jungs immer gebrauchen. Immer wenn sie wieder einmal den feindlichen Schiffen der Marine entkommen waren oder aber eine Schlacht auf See heil überstanden hatten, war es dieser Ort, der sie wie magisch anzog.
    Auch wenn sie ihre Suche nach dem sagenumwobenen Schatz wieder einmal vergeblich war, so hatten sie alle doch etwas, worauf sie sich freuen konnten.
    Wenn es auch immer nur kurze Momente waren, so hatten sie einen Ort gefunden, an dem sie all das Böse hinter sich lassen und eine kurze Zeit ganz die jungen Männer von damals sein konnten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  6. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 5
    Eine glückliche und unbeschwerte Kindheit hatten die Wenigsten von ihnen kennengelernt. In den seltensten Fällen hatten sie ihre Väter je kennengelernt. Diese waren meistens selbst Freibeuter gewesen und hatten ihr Ende in den unendlichen Weiten des Meeres oder durch den Henker gefunden. Die Mütter hatten es schwer gehabt, die Familien durch zu bringen. Also waren sie schon früh mit den rauen Gesetzen ihrer Stadt vertraut gewesen. Mit kleinen und später auch grösseren Gaunereien hatten sie versucht, ihre Familien zu unterstützen. Und dabei hatten sie schon in jungen Jahren mehr als einmal ihr Leben riskiert.
    Trotz Allem dachten die Männer sehr oft und gern an die Zeit in Port Royal zurück.
    In der Stadt wimmelte es nur so von gesetzlosen Piraten. Von hier aus starteten die ihre lukrativen Raubzüge auf die großen Handelsschiffe.
    Wenn die wilden Seeleute dann wieder an Land gingen, ließen sie kein Zechgelage aus, um zu vergessen, dass schon die nächste Kaperfahrt ihr Ende bedeuten konnte.
    Die Zukunft der Jungs war also vorhersehbar.
    Als dann eines Tages ein prächtiges Schiff im Hafen einlief und man auf der Suche nach einer neuen Besatzung durch die Strassen zog, zögerten sie nicht eine Minute und heuerten auf der "Black Mary" an.
    Schon am nächsten Tag stachen sie in See. Ein letztes Mal sahen sie die in der Bucht versteckte Stadt mit dem großen Hafen, in dem die Schiffe ankerten, um für die nächste Fahrt vorbereitet zu werden.
    Langsam verschwand alles am Horizont. Was jedoch niemand voraussehen konnte, nie wieder würden sie hierher zurückkehren können.
    Denn nur kurze Zeit später erschütterte ein starkes Seebeben die Region und die ganze Landzunge versank im Meer.
    Umso verständlicher ist es also, dass die Männer Hope Island zu ihrer neuen Heimat erklärten.

    Wieder einmal hatten sie viele Tage auf See verbracht, hatten sich erbitterte Schlachten mit feindlichen Schiffen geliefert und freuten sich nun darauf, ein wenig Ruhe zu finden.
    Sie würden für kurze Zeit all das Erlebte hinter sich lassen können, sich erholen und dann, sobald die Vorräte aufgefüllt wären, wieder aufbrechen zu der nächsten ungewissen Reise.
    In der Ferne tauchten die ersten grünen Wipfel auf. Wie ein schützender Schleier lag der Nebel über der Insel. Je näher das Schiff jedoch kam, umso aufgeregter wurden die Männer.
    Etwas war anders, als bei ihren früheren Besuchen. Rauch stieg auf und bald wurden die ersten Hütten sichtbar. Es gab keine Zweifel mehr. Ihr einsames Paradies war entdeckt worden und schien jetzt bewohnt zu sein.
    Doch wer hatte ihre Insel der Hoffnung besiedelt? Freund oder Feind? Das galt es jetzt herauszufinden. Doch in Einem waren sich die Männer einig. Einfach so würden sie ihre Insel nicht wieder hergeben, hatten sie doch hier gerade eine neue Heimat gefunden.
    Vorsichtig wurden die Boote zu Wasser gelassen und die Männer hofften, unbemerkt an Land gehen zu können.
    Was die Ärmsten jedoch nicht wissen konnten, wir hatten sie längst entdeckt und waren auf ihre Ankunft vorbereitet.
    Am Strand wartete ein ganz besonderes Geschenk zur Begrüßung. Drei Fässer Rum...
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  7. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 6
    Solch eine freundliche Begrüßung hatten die Männer nicht erwartet. Sie hatten sich schon auf die nächste Schlacht eingestellt. Und jetzt das! Damit hatte wirklich Niemand gerechnet.
    Es fiel ihnen sichtlich schwer, dem scheinbar friedlichem Leben hier auf der Insel zu trauen. Zu oft waren sie schon enttäuscht und betrogen worden.
    Und so dauerte es noch eine ganze Weile, bis sie ihr Misstrauen über Bord werfen und uns vertrauen konnten.
    Anfangs war es nicht leicht, aber das wisst ihr ja, genau so gut, wie ich. Viele Missverständnisse machten uns das Zusammenleben unnötig schwer. Je öfter sie jedoch hierher zurückkehrten, umso besser wurde es.
    Als dann endlich auch der letzte Skeptiker eingesehen hatte, dass wir Alle nur an Ruhe und Frieden interessiert waren, begannen die Männer, sich uns anzuvertrauen. Sie erzählten uns immer mehr aus ihrem Leben, weihten uns in ihre Pläne ein und freuten sich auf ihre Rückkehr.
    Und es waren faszinierende Geschichten, die uns immer mehr in ihren Bann zogen. Immer tiefer tauchten wir in die Geschehnisse ein und zeitweise hatten wir das Gefühl, all diese Abenteuer selbst erlebt zu haben.
    Jeder Besuch bei uns wurde zu einem großen Fest.
    Wenn es auch nicht sehr viel war, was wir tun konnten, so versuchten wir doch, den Jungs ein wenig Hoffnung zu geben und ihnen unsere Unterstützung anzubieten.
    Auch wenn diese rauen Gesellen auch nicht immer die richtigen Worte fanden, so war ihre Dankbarkeit doch zu spüren.
    Endlich hatten sie gefunden, wonach sie schon ewig gesucht hatten. Eine neue Heimat und Freunde, die für sie da waren. Fast war es, als wären wir Alle eine große Familie.
    Eine Sorge blieb jedoch und lag wie ein dunkler Schatten über Allem, was sie taten. Würde es gelingen, den Bann zu brechen und noch rechtzeitig die rätselhafte Karte zu entschlüsseln? Die Tage vergingen viel zu schnell und es blieb nicht mehr allzu viel Zeit.
    Noch immer waren wir nicht weiter gekommen. Was hatte es mit den seltsamen Zeichen auf sich? Sehr viel konnten wir nicht herausbekommen. Nur eine Sache hatten wir mittlerweile entziffern können, wenn es uns auch nicht wirklich voran brachte.
    Es galt "Einen ganz besonderen Platz zu finden, wo die Dunkelheit dämmert und das Licht der Zukunft leuchtet". Doch was bedeutete dies?
    Nach reichlicher Überlegung gab es für die Crew nur einen Weg, es vielleicht doch noch herauszufinden. Nur eine Person konnte ihnen jetzt noch helfen. Black Crow!
    Ausgerechnet der Mann, der sie in diese verzweifelte Situation gebracht hatte, sollte ihre letzte Rettung sein. es gab keinen anderen Weg.
    Mit einem unguten Gefühl machten sich die Männer auf den Weg. Im Morgengrauen stach die "Black Mary" in See und segelte dem Sonnenaufgang entgegen.
    Doch was würde diese Reise bringen?
    Nach einer stürmischen Überfahrt, die den Männern und ihrem Schiff Alles abverlangt hatte, erreichten die Männer endlich ihr Ziel und der Mannschaft gelang es, mit letzter Kraft, den rettenden Strand zu erreichen.
    Am nächsten Morgen dann, nachdem sich alle etwas erholt und ihre Verletzungen versorgt hatten, machte Joe sich mit einigen Männern auf die Suche. Vergeblich! Es hieß, der Wahrheit in`s Gesicht zu sehen. Diese Insel war gänzlich unbewohnt. Von Black Crow fehlte jede Spur. Doch was war mit ihm geschehen? hatte seine schwarze Seele schon längst das Zeitliche gesegnet oder war es ihm doch auf unerklärliche Weise gelungen, die Insel zu verlassen? Mit ihm war auch der letzte Rest Hoffnung verschwunden.
    Völlig niedergeschlagen machten sich die Männer auf den Rückweg, bereit, sich ihrem Schicksal zu ergeben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  8. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 7
    Die "Black Mary" hatte auf der Fahrt hierher einiges abbekommen und die Männer hatten nur widerwillig die nötigsten Reparaturen vorgenommen, sahen sie doch keinen Sinn mehr darin. Wozu noch unnötige Arbeiten ausführen, wenn sie ja doch bald ihr bescheidenes Dasein in der Unterwelt fristen müssten.
    Die See war verdächtig ruhig geworden, der Wind schien eingeschlafen zu sein und so kam man nur sehr langsam voran.
    Das Schiff trieb auf dem Wasser und die Männer warteten hilflos auf einen Windstoß, der sie zurück zu unserer Insel treiben würde. Doch der Himmel war wolkenleer, die Sonne brannte unbarmherzig auf sie herunter und es hatte nicht den Anschein, als würde sich daran sobald etwas ändern.
    So vergingen die Tage, die Vorräte wurden knapp und besonders das fehlende Trinkwasser war eine furchtbare Qual. Sollte dies hier jetzt ihr Ende sein?
    Da die Wenigsten von ihnen des Lesens und Schreibens mächtig waren, verfasste Joe für jeden seiner Männer einen kleinen Abschiedsbrief, die sie dann mit den mitgebrachten Tauben auf die Reise zu uns schickten.
    Danach kauerten sich die völlig entkräfteten Männer an Deck und warteten auf ihr, wie sie vermuteten, unausweichliches Ende.
    Stunde um Stunde verging und niemand sprach ein Wort. Sie hatten sich ihrem Schicksal ergeben und so dauerte es auch noch eine ganze Weile, bis sie die ersten Regentropfen registrierten, die leise auf`s Deck fielen. Mittlerweile hatte sich der Himmel verdunkelt und niemand von ihnen hatte es in seiner Verzweiflung bemerkt.
    Innerhalb von Sekunden hatte sich Alles geändert. Die kleinen Tropfen Wasser brachten neue Hoffnung. Als dann plötzlich auch noch Wind aufkam, waren die Männer kaum noch wieder zu erkennen. An Bord herrschte emsiges Treiben. Schnell wurden die Segel gesetzt und schon bald schoss die "Black Mary" regelrecht über das Wasser.
    Es ging zügig voran und Hope Island war nicht mehr fern.
    Die Mannschaft war derart euphorisch, dass es zunächst Niemandem auffiel. Denn während die See, so weit das Auge reichte, still wie ein Spiegel in der Sonne glänzte, wurde das Unwetter direkt um ihr Schiff herum immer stärker. Joe hatte es jedoch sofort realisiert und hielt angestrengt Ausschau nach drohenden Gefahren. Immer höher türmten sich die Wellen auf und die Gischt spülte über das Deck.
    Bald schon hatte die Crew die Gewalt über das Schiff verloren und war zum Spielball der Naturgewalten geworden.
    Wieder einmal passierten sie eine Inselgruppe und noch bevor die ersten Rufe aus dem Mastkorb ertönten, hatte Joe`s wachsames Auge es schon entdeckt. Aus einer felsigen Bucht tauchte, wie aus dem Nichts kommend, ein Schiff auf. Ein Schiff so schwarz wie die Nacht. Und es hielt direkt auf die "Black Mary" zu.
    Ein Blick durch sein Fernglas genügte und ließ eine bange Vermutung zur Gewissheit werden. Auf der Kommandobrücke stand wie in alten Tagen Black Crow und erteilte seine Befehle.
    Im selben Moment donnerten auch schon die ersten Kanonen und Rauch stieg auf. Noch war die Entfernung zu groß und die Kugeln schlugen auf dem Wasser auf. Doch wie lange noch? Es gab praktisch kein Entkommen.
    Doch ganz plötzlich, wie von Zauberhand, baute sich das Wasser zu einer riesigen Mauer auf und versperrte dem feindlichem Schiff den Weg. Die "Black Mary" jedoch schoss durch eine unsichtbare Macht angetrieben in Richtung Heimat.
    Gerade noch erreichten die Männer die Schutz bietende Bucht auf der anderen Seite der Insel, da legte sich auch schon der Wind, der Wolkenhimmel riss auf und die Sonne brannte unverändert heiß herab.
    Aus ihrem sicheren Versteck heraus hielten die Männer gespannt Ausschau, doch die Verfolger waren verschwunden, so als hätte es sie nie gegeben.
    Wieder einmal hatte eine unsichtbare Macht ihre schützende Hand über Joe und seine Männer gehalten und ihnen noch etwas Zeit verschafft.
    Erschöpft aber überglücklich machte man sich auf den Weg zu unserem Lager.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  9. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 8
    Es war ein langer und beschwerlicher Rückweg. Die Männer waren durch den Mangel an Nahrung und Trinkwasser und natürlich auch durch die unerfreuliche Begegnung mit Black Crow ziemlich geschwächt und nichts erinnerte mehr an die starken und furchtlosen Piraten.
    Viele von ihnen hatten Verletzungen davongetragen und so kämpften sie sich mit letzter Kraft durch den undurchdringlichen Dschungel.
    Die schwüle Luft setzte den ohnehin schon entkräfteten Männern unbarmherzig zu. Die Sonnenstrahlen, die es durch das dichte Geäst bis hier unten schafften, ließen die Luft flimmern. Der auf ihrer Stirn herabrinnende Schweiß brannte in den Augen und schon bald stolperte die Truppe, mehr blind als sehend, vorwärts.
    Das Dickicht wurde immer dichter, die schwüle Luft machte das Atmen immer schwerer und schon bald waren die letzten Kräfte aufgezehrt.
    Kraftlos sanken die Männer auf den weichen Boden unfähig, auch nur noch einen Schritt zu gehen.
    Auch wenn es Niemand aussprach, wussten es doch alle: Wenn sie sich jetzt nicht überwanden, die Schmerzen ignorierten und trotz allem weitergingen, würde dies hier ihr Ende bedeuten. Niemand von ihnen fand jedoch die Kraft dazu.
    Und so dämmerten sie vor sich hin, lauschten dem Gesang der Vögel und dem Rauschen der Baumwipfel und warteten. Worauf? Das wussten sie selbst auch nicht so genau. Wichtig war im Moment nur, dass sie immer noch am Leben waren. Doch wie lange noch?
    Langsam nur drang ein Geräusch zu ihnen durch. Es klang wie Musik in ihren Ohren und schien die Männer magisch anzuziehen.
    Wie in Trance begannen sie sich einer nach dem anderen zu erheben und sich in die Richtung zu bewegen, aus der das Geräusch zu ihnen hinüber drang. Es schien, als wären sie sich dessen gar nicht bewusst und hatten keinen Einfluss mehr auf ihre Aktionen.
    Je weiter die Piraten vordrangen, umso schneller bewegten sie sich vorwärts. Vergessen waren all die Schmerzen. Ja, die Männer schienen sie nicht einmal mehr zu realisieren.
    Wie von einer magischen Kraft angezogen, stolperten sie voran, begannen bald schon zu rennen und hatten ihr Ziel bald erreicht.
    Der Wald war nicht mehr so unwegsam und unsere Helden fanden sich auf einer Lichtung wieder. An einem Ort, der ihnen mehr als bekannt war.
    Vor ihnen rauschte der Wasserfall, der ihnen seit schon so vielen Jahren das Überleben gesichert hatte. Das Wasser schimmerte in den herrlichsten Farben, während es unaufhaltsam in den Jungbrunnen hinabstürzte.
    Wieder einmal waren Joe und seine Jungs gerettet worden.
    Ohne auch nur einmal darüber nachzudenken, stürzten sich die Männer in das rettende Nass. Zum Nachdenken blieb später noch genug Zeit. Jetzt hieß es erst einmal, Kraft zu tanken und die müden und wunden Knochen zu heilen.
    Wie ausgelassene Kinder tollte man herum und neckte einander.
    Inmitten ihrer Spielereien kam es dann zu einer Entdeckung, die für neue Rätsel sorgen sollte.
    Während Joe wieder einmal auf den Grund hinabtauchte, stieß er dabei auf einen seltsamen Gegenstand, der hier im Wasser eigentlich nicht verloren hatte. Mit der Hilfe einiger Kameraden gelang es ihm, den Fund an die Wasseroberfläche und anschließend an Land zu bringen...... Eine alte goldene Truhe!!!
    Was hatte es damit auf sich? Und wer hatte dieses seltsame Versteck für sie gewählt?
    Entschlossen, dies herauszufinden, konnten die Männer es nicht mehr erwarten, wieder bei uns im Lager zu sein. Emsig rafften sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und machten sich schnellstens auf den Weg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  10. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 9
    Sehr weit kamen die Männer allerdings nicht. Sie hatten erst einige Meter zurückgelegt, als ein seltsames Geräusch an ihre Ohren drang und sie innehalten ließ.
    Ein grauenhaftes Heulen, wie sie es noch nie in ihrem Leben gehört hatten, erfüllte die Luft und ließ die Piraten wie erstarrt lauschen.
    Der Lärm schien vom Meer zu kommen. Was ging da vor sich?
    Keinesfalls konnten sie den Weg zu uns fortsetzen, ohne zu erkunden, wer oder was diese kläglichen Töne hervorbrachte. Auch wenn es ihnen nicht gefiel, sie mussten also noch einmal den beschwerlichen Weg zurück antreten, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, was sie erwartete.
    Doch was sollte währenddessen mit der geheimnisvollen Kiste geschehen?
    Schweren Herzens mussten sich die Jungs von ihr trennen und sie in einem sicheren Versteck zurücklassen, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, welchen wertvollen Inhalt sie enthielt.
    Vorsichtig bahnten sich die Männer noch einmal den Weg durch das Dickicht. Je weiter sie vordrangen, umso lauter und grauenhafter wurden die Laute.
    Endlich war das Meer erreicht. Aus einem sicheren Versteck heraus, wagten sie einen ersten Blick hinaus auf´s Wasser.
    Es war ein gespenstischer Anblick. Die See tobte, so wie es die Männer noch nie gesehen hatten.
    Meterhohe Wellen schlugen gegen die Felswände. Und inmitten diesen tosenden Wasser`s, kämpfte ein Schiff gegen den drohenden Untergang. Nur zu gut erkannten sie dieses Schiff und deren Besatzung wieder. Vor wenigen Stunden noch hatte es ihre Verfolgung aufgenommen und nur ein Ziel gehabt, nämlich sie und die "Black Mary" auf den Grund des Meeres zu schicken. Jetzt drohte Black Crow und seiner Crew eben dieses Schicksal.
    Jetzt endlich erkannten Joe und seine Männer auch den Ursprung diesen unheimlichen Klagelautes.
    Phylixa war aus den Tiefen des Meeres aufgestiegen. Sie schien sehr wütend, aber auch sehr verzweifelt zu sein. Heulend und klagend ließ sie das Wasser toben. Für das Schiff und seine Besatzung gab es keine Hoffnung mehr. Mit einem letzten Tosen versank es in den Fluten und gerade so, als wäre nie etwas geschehen, plätscherten die Wellen leise in die Bucht.
    Sollte jetzt wirklich alles vorbei sein? Black Crow war ihre letzte Hoffnung gewesen, doch er hatte sein Geheimnis mit in sein nasses Grab genommen.
    Während die Crew verzweifelt und niedergeschlagen vor ihm auf dem Boden hockte, versuchte Joe, ihnen Mut zu machen. Im Gegensatz zu seiner Mannschaft glaubte er nämlich immer noch an ein Wunder. Eine innere Stimme sagte ihm, dass der Weg zu ihrer Rettung noch lange nicht zu Ende war.
    Nach endlosen Versuchen, die Jungs neu zu motivieren, machten diese sich endlich mürrisch auf den Weg. Weitaus weniger enthusiastisch, als zuvor, wurde die Kiste ein zweites Mal aus ihrem Versteck geholt.
    Und so geschah es dann auch, dass die Truhe durch eine kleine Unachtsamkeit auf den felsigen Boden fiel und das Schloss zerbrach.
    Neugierig machten sich die Männer daran, den seltsamen Inhalt genauer zu untersuchen.
    Als allererstes fiel ihnen ein vergilbtes Papier in die Hände, dessen Botschaft Joe nun seinen Männer`n kundtat....

    Die erste Hürde ist vollbracht,
    gebt gut auf das nächste Zeichen acht!
    Der Schlüssel hier in eurer Hand,
    öffnet das Tor in der steinernen Wand.
    Wenn die Sonne steht am höchsten Ort
    und das Meer zieht sich vom Lande fort,
    dann gibt es das nächste Zeichen preis.
    Und wer um dieses Geheimnis weiß.
    dem wird es mit etwas Mut gelingen,
    den nächsten entscheidenden Hinweis zu finden.
    Wem es gelingt, mir den Frieden zu geben,
    dem winkt zum Lohn das ewige Leben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  11. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 10
    Was für eine seltsame Botschaft! Gab es denn nicht schon genug Rätsel und Fragen, nach deren Antworten die Männer verzweifelt suchten? Jetzt wurde es also noch verworrener.
    Die Jungs mussten unbedingt herausfinden, wer die Nachricht hier hinterlassen hatte und von welchem Zeichen die Rede war. Die ganze Sache wurde aber auch immer verzwickter.
    So lange waren die Männer jetzt schon vergeblich auf der Suche nach Antworten. Doch anstatt, dass sie Lösungen fanden, kamen immer mehr Fragen hinzu.
    Doch sie wären keine richtigen Piraten, wenn sie beim Anblick eines alten und rätselhaften Dokumentes und der Aussicht auf die Suche eines geheimen Ortes nicht neugierig geworden wären.
    Dies war nun mal ihr Leben, für das sie sich damals entschieden hatten. Und eine Schatzsuche übte auch nach so vielen Jahren immer noch einen Reiz auf die Männer aus, dem sie sich nicht entziehen konnten. So war es auch diesmal.
    Wenn sie auch noch nie einen so seltsamen Hinweis in den Händen gehalten hatten, waren sie doch fest entschlossen, das Geheimnis zu lüften. Und wenn es zum Preis das ewige Leben gab, lohnte sich die Suche doch erst recht.
    Bevor das Abenteuer jedoch beginnen konnte, musste das Rätsel erst einmal gelöst werden.
    Von welchem Schlüssel war da die Rede? Noch einmal untersuchte Joe die Kiste ganz genau, doch diese war leer. Auch auf dem Weg direkt daneben war nichts zu entdecken, außer einem unscheinbaren Stein. Der musste bei dem Sturz herausgerollt sein.
    Vorsichtig nahm Joe ihn in die Hand, um ihn besser betrachten zu können.
    Auf den ersten Blick schien es ein ganz gewöhnlicher Stein zu sein, wie man ihn hier auf der Insel zu hunderten finden konnte. Und doch ging eine seltsame Magie von ihm aus. Er hatte eine so gleichmäßige Form, fast wie eine Scheibe und schien von innen heraus zu leuchten. Sollte dies der Schlüssel sein? Aber welches steinerne Tor war mit ihm zu öffnen und wo war es zu finden?
    Lange Zeit diskutierten die Männer darüber. Während die einen fest davon überzeugt waren, den Hinweis hier auf Hope Island suchen zu müssen, waren die anderen der festen Überzeugung, dass die Lösung ganz sicher nicht so einfach wäre und man erst einmal wieder in See stechen müsste, um auf den anderen Inseln zu suchen, die man im Laufe der Jahre schon mehrmals vergeblich besucht hatte. Damals habe man schließlich keine Anhaltspunkte gehabt, jetzt mit dem neuen Hinweis wäre es aber eine völlig neue Situation.
    Letztendlich entschieden die Männer, es so wie immer zu halten und darüber abzustimmen, wie man als nächstes vorgehen würde.
    Und so stand es sehr bald fest: Zuallererst wollte man Hope Island noch einmal ganz genau untersuchen. Doch wo beginnen?
    Felsen und das Meer in Kombination gab es auf dieser Insel nur an einem Ort, nämlich in genau der Bucht, in der im Moment die "Black Mary" ankerte.
    Voller Ungeduld wollten die Männer sofort den Weg antreten, als Joe dann doch noch etwas Entscheidendes einfiel. Es gab ein kleines Problem. Heute würden sie gar nichts mehr ausrichten können, da sich langsam schon die dunkle Nacht über die Insel senkte.
    Das geheime Zeichen würde sich ihnen aber erst morgen Mittag zeigen, wenn die Sonne hoch am Himmel stand und wieder einmal Ebbe herrschte.
    Es hieß also, noch viele Stunden abzuwarten. Und selbst dann war ein Erfolg nicht gewiss, denn niemand konnte wissen,ob sie tatsächlich am richtigen Ort mit der Suche begannen.
    Vor den Männern lagen also noch viele ungewisse Stunden, bis sie endlich erfahren sollten,ob das Glück auch weiterhin auf ihrer Seite stand.
    In dieser Nacht würde wohl keiner von ihnen seinen Schlaf finden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  12. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 11
    In dieser Nacht war es keinem der Männer vergönnt, auch nur ein wenig Ruhe zu finden. Langsam, viel zu langsam verging die Zeit und die Nacht schien kein Ende zu nehmen.
    Um nicht vor lauter Anspannung vollständig verrückt zu werden, verbrachten sie die Zeit damit, ihre Waffen zu reinigen und die Messer zu schleifen. Nicht dass diese es nötig gehabt hätten, hatte doch jeder Pirat jederzeit für eine saubere und einsatzfähige Waffe Sorge zu tragen. So hatten die Männer jedoch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Und so glänzten irgendwann im Sonnenaufgang die Säbel, Messer und Musketenwie ein wertvoller goldener Schatz, der jeder Besatzung eines britischen Kriegsschiffes würdig gewesen wäre.
    An Bord herrschte eine gespenstische Ruhe. Während es sonst immer sehr laut und derbe zuging, ging die Mannschaft jetzt schweigend ihren Tätigkeiten nach und jeder der Männer hing seinen eigenen Gedanken nach.
    Etwas abseits von seiner Crew saß Joe und starrte nachdenklich auf die kleine Bucht, die vor ihnen lag. Forschend betrachtete er die felsigen Wände, die das Wasser von drei Seiten vollständig umschlossen und hoch hinaufragten.
    Welches Geheimnis gab es zu entdecken und war es überhaupt hier verborgen? Die Mannschaft war ihm treu ergeben und folgte ihm blind. Doch wohin würde er sie diesmal führen? In eine glückliche Zukunft oder aber in`s Verderben?
    Immer öfter quälten ihn solch düstere Gedanken und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Vielleicht wären seine Männer unter dem Kommando eines anderen ja besser dran. Er jedenfalls hatte sie in den vergangenen Jahren von einer Katastrophe zur nächsten geführt.
    Vielleicht war es jetzt an der Zeit, das Kommando abzugeben und es jemand anderen zu überlassen. Dieses eine Abenteuer wollte er noch zusammen mit seiner Crew bestehen und dann eine Entscheidung treffen.
    Joe war so mit seinen Gedanken beschäftigt, dass er erst jetzt bemerkte, wie die Zeit verstrichen war. Die Mittagszeit nahte, die Ebbe hatte längst eingesetzt und die Sonne brannte unbarmherzig auf die Männer herab.
    Mittlerweile hatten sich alle um ihren Captain versammelt und starrten erwartungsvoll auf die steinernen Wände vor ihnen.
    Die Minuten vergingen und nichts geschah. Resigniert wandten sich die ersten schon ab, als der perfekte Zeitpunkt dann doch noch kam.....
    Die Sonnenstrahlen fielen durch einen kleinen Spalt der oberen Felskante und waren derart gebündelt auf eine kleine Nische auf der gegenüberliegenden Seite gerichtet. Diese war den Männern vorher noch nicht einmal aufgefallen. Jetzt funkelte sie jedoch in den seltsamsten Farben.
    Schnell gab Joe den Befehl, das Beiboot zu Wasser zu lassen. Er wollte keine Zeit verlieren und ließ die kleine Felsvertiefung von nun an nicht mehr aus den Augen.
    Mit frisch erwachten Kräften ruderten sie nun weiter in die Bucht hinein, die letzten Meter legte man zu Fuß zurück. Dies war auf dem aufgeweichten Untergrund zwar sehr beschwerlich, doch mit dem Ziel vor Augen war auch diese letzte Strecke schnell bewältigt.
    Nun galt es nur noch, die massive Felswand zu bezwingen, die hoch vor den Männern aufragte. Hierbei erwiesen sich die mitgebrachten Seile und Enterhaken als sehr hilfreich.
    Und dann hatte Joe zusammen mit drei seiner besten Männer endlich den Felsvorsprung erreicht. Dieser war sehr klein und schien auch nicht sonderlich sicher zu sein. Schon bei der kleinsten Bewegung prasselte ein regelrechter Steinhagel auf die am Fuß der Wand wartenden Männer hinab.
    Die Sonne hatte ihre Bahn fortgesetzt und die kleine Nische war wieder in Dunkelheit getaucht.
    Vorsichtig begann Joe, den vor ihm liegenden Fels gründlich abzutasten, denn irgendwie sollte sich die Wand doch öffnen lassen.
    Da! Eine kleine runde Vertiefung im ansonsten sehr glatten Untergrund. Behutsam nahm er nun den Stein aus seiner Tasche, von dem er annahm, dies sei der Schlüssel und schob diesen ganz langsam in die kleine Mulde hinein.
    Ein leises Klicken war zu hören und es öffnete sich mit lautem Grollen und wie von Zauberhand die vorher noch undurchdringliche Felswand vor ihnen und gab den Weg frei.
    Mit einer der mitgebrachten Fackeln leuchtete Joe vorsichtig in die vor ihm erschienenden Höhle. Hier vom Eingang aus war nichts Außergewöhnliches zu erkennen. Welches Geheimnis würde hier wohl auf die Männer warten?
    Mutig wagte er den ersten Schritt, während seine Begleiter, die Hände an den Waffen, neue Befehle abwarteten. es war weiterhin ruhig und so wagte Joe den nächsten Schritt.
    Doch kaum befand er sich völlig im Inneren des Felsens, geschah es auch schon. So schnell, dass keine Reaktion mehr möglich war, begann der Boden ein seltsames Eigenleben zu entwickeln. Er wurde regelrecht zu einem Strudel, der drohte Joe mit sich in die Tiefe zu ziehen. Noch ehe die Piraten die Möglichkeit hatten, helfend einzugreifen, war es auch schon zu spät.
    Mit erstarrtem Blick und wild mit den Armen rudernd versank ihr Captain vor ihren Augen im steinigen Boden. ohne dass eine Möglichkeit bestand, ihm zu Hilfe zu eilen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  13. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 12
    Als der Boden unter seinen Füßen begann, in Bewegung zu geraten und ihn in die Tiefe zog, hatte Joe schon mit allem abgeschlossen. Er war fest davon überzeugt, hier und jetzt sein Ende zu finden. Doch zu seiner Überraschung kam alles ganz anders.
    Kaum war er im Boden verschwunden, befand er sich zwar im freien Fall, der scheinbar nicht enden wollte, jedoch war dies kein normaler Sturz in die Tiefe. Nein, er befand sich vielmehr in einem seltsamen Schwebezustand. Fast so, als würde er von einer unsichtbaren Hand gehalten.
    Immer weiter ging es für ihn abwärts, um dann endlich nach einer gefühlten Ewigkeit sanft auf dem Boden zu landen.
    Rundherum herrschte völlige Dunkelheit. Die Fackel war ihm verloren gegangen und so war es unmöglich festzustellen, wo er sich befand. Aus weiter Ferne, erklangen ganz leise die aufgeregten Rufe seiner Männer, die jedoch nach einiger Zeit verstummten.
    Nun war Joe also ganz sich selbst überlassen. Es erschien ihm aber nahezu unmöglich wieder zu seinen Kameraden zu gelangen.
    Laut vor sich hin fluchend, richtete er sich langsam auf. Das konnte doch noch nicht das Ende sein. Ganz sicher gab es auch hier einen Ausgang zurück ans Tageslicht. Den musste er nur finden.
    Von rechts war ein leises Plätschern zu hören. Mühsam versuchte Joe, sich zu orientieren, was in einer völlig unbekannten Umgebung von nicht allzu großem Erfolg gekrönt war.
    Leise vor sich hin schimpfend, tastete er sich langsam an den kalten und feuchten Wänden entlang.
    Langsam wurden die Hände steif vor Kälte und waren über und über mit Rissen und Schnitten übersät. Jedoch aufgeben wollte er nicht.
    Mittlerweile hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. In seinem Kopf hämmerte nur der eine Gedanke: Weiter, immer weiter gehen!
    So in seine Gedanken versunken, bemerkte Joe erst nach einer ganzen Weile, dass sich etwas verändert hatte. Die Gesteinswand verströmte mittlerweile eine wohltuende Wärme. Auch hatte sich ihre Oberfläche verändert. War sie zu Anfang noch rau und rissig, so wurde sie zunehmend ebenmäßiger und glatter.
    Während Joe sich noch seine Gedanken darüber machte, ertasteten seine wunden Finger plötzlich eine Unebenheit im Fels, eine rundliche Vertiefung. Vorsichtig griff er hinein und ertastete einen beweglichen runden Stein. Auf das Schlimmste gefasst, begann Joe diesen langsam zu drehen……
    Ein leises Klacken war zu hören, dann begann die Wand vor ihm, sich mit einem ohrenbetäubenden Lärm zu bewegen und binnen kurzer Zeit gab sie ihm dem Weg frei.
    Ein lichtdurchfluteter Raum erwartete unseren Helden. Nach der unfreiwilligen Zeit in absoluter Dunkelheit, war es ihm jedoch nicht möglich, dieses sofort zu genießen. Schützend die Hände vor Augen, blieb ihm nur, auf der Stelle zu verharren um seinen Augen die Möglichkeit zu geben, sich an diese Helligkeit zu gewöhnen.
    Und dann endlich sah er die ganze Pracht. Der Raum war völlig in ein zauberhaftes Licht gehüllt. In der Mitte befand sich ein in Stein gehauenes Podest, in dessen Zentrum ein kleiner Brunnen in den herrlichsten Regenbogenfarben leise vor sich hin plätscherte.
    Gefangen von dem faszinierenden Anblick bewegte er sich langsam darauf zu. Unterhalb der Wasseroberfläche wartete schon die nächste Überraschung auf ihn. Ein goldenes Kästchen leuchtete ihm schon entgegen.
    Neugierig nahm Joe es an sich, um es dann vorsichtig zu öffnen.
    Der Inhalt erstaunte selbst ihn. Ein gläserner Dolch war auf weichen Samt gebettet, ebenso ein runder Stein, nahezu identisch mit dem ersten. Und wieder war ein mehr als seltsames Schreiben beigelegt, dessen Inhalt ebenso rätselhaft war, wie in dem ersten Papier.
    Immer und immer wieder las Joe, ohne es wirklich zu verstehen.

     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  14. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 13

    Die zweite Hürde ist geschafft,
    jetzt gebt gut auf die nächsten Zeichen acht!
    Wenn der Mond am Himmel steht
    und die Sonne schlafen geht,
    wenn die Abendwinde weh`n,
    dann werdet ihr die Botschaft seh`n.
    Aus der tiefsten Dunkelheit
    steigt nun empor für kurze Zeit
    das Licht des Lebens rein und klar
    und bietet dir seine Hilfe dar.
    Nimm die Gabe und fürchte dich nicht,
    sie scheint in der dunkelsten Stunde als deines Schicksals Licht!

    Da stand er nun und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Gefangen irgendwo unter der Erde ohne zu wissen, wie und ob es überhaupt eine Chance gab, jemals wieder das Tageslicht zu sehen.
    Und was sollte er mit dieser Botschaft anfangen? Für Joe ergab sie absolut keinen Sinn.
    Während er noch so in seine Gedanken versunken über den Sinn der geschriebenen Worte grübelte. Waren aus dem dunklen Raum hinter ihm seltsame Geräusche zu hören.
    Ein Knirschen und Poltern erfüllte den Raum, dann war es wieder still. Als Joe dann jedoch leises Fluchen vernahm, konnte er sich ein wütendes Grummeln nicht verkneifen.
    Schon hörte er leise seinen Namen rufen. Im selben Moment erschienen sie dann auch schon im Eingang der Höhle. Henry, sein Bootsmann und der Steuermann Edward hatten ihn nicht allein gelassen. Joe hatte schon immer das meiste Vertrauen in die zwei gesetzt und konnte sich auf ihre Treue jederzeit verlassen.
    Doch jetzt waren ihm die verrückten Kerle doch tatsächlich gefolgt, hatten sich in die Tiefe reißen lassen, ohne zu wissen, was sie erwarten würde.
    Wütend stapfte er auf sie zu, ihre freudigen Gesichter jedoch ließen seinen Zorn sehr schnell verrauchen. Diese Männer würden ihm überallhin folgen, darauf war Verlass und er würde mit Sicherheit dasselbe für sie tun.
    Erfreut, ihren Captain lebend anzutreffen, begannen die Beiden sofort, ihn mit Fragen zu überhäufen. Jedoch hatte er auf keine davon eine wirkliche Antwort. Im Moment jedenfalls war Joe ebenso ratlos wie seine Männer, ja wenn nicht noch mehr. Trug er jetzt doch auch noch die Verantwortung für die Beiden, denn schließlich war er ihr Captain und hatte den Schwur geleistet, jegliche Gefahr für seine Crew mit allen Mitteln abzuwenden.
    Und Gefahr würde ganz sicher nicht lange auf sich warten lassen, hatte er doch jetzt Henry in seiner Nähe. Dieser war zwar ein mehr als guter Freund für ihn und in jeder Schlacht auch vorne mit dabei, jedoch schien ihm das Pech an den Schuhen zu kleben. Es gab keine Gefahrensituation, in die Henry mit seiner manchmal schon kindlichen Neugierde und seinem Übermut nicht hineinstolperte.
    Langsam begannen die Männer die Höhle genauer zu untersuchen, in der Hoffnung einen Ausweg zu finden, doch rundherum gab es nur kalte glatte Wände. Wie es aussah, saßen sie in einer Falle, aus der sie nur noch ein Wunder retten konnte.
    Völlig niedergeschlagen ließen sich Joe und Edward am Rande des Brunnens nieder, während Henry noch immer wild vor sich hin fluchend die Wände untersuchte. Doch letztendlich musste auch er einsehen, dass dies sinnlos zu sein schien.
    Ein neuer Plan musste her. Und so saßen sie nun zu dritt und überlegten, wie es weitergehen sollte.
    Etwas wirklich Hilfreiches wollte ihnen jedoch einfach nicht einfallen.
    Die Männer konnten es einfach nicht fassen. So weit waren sie im Laufe der Jahre gekommen und jetzt sollte es hier enden. Das konnte es doch nicht gewesen sein.
    Voller Verzweiflung sprang Henry auf und schlug und trat in seinem Schmerz auf den Rand des Brunnens ein. Seinen Begleitern gelang es nur schwer, ihn zu beruhigen. Bevor es ihnen dann endlich gelang, ihn fortzuziehen, versetzte er dem prunkvoll verziertem Rand einen letzten verzweifelten Tritt.
    Ein leises Grollen in der Wand direkt hinter ihnen ertönte. Dann herrschte wieder Ruhe. Was war das? Noch einmal untersuchten sie die Felswand genau. Da sie ja alle drei etwas gehört hatten, konnte es doch keine Einbildung gewesen sein. Nichts! Die Wand erschien kalt und undurchdringlich, wie schon zuvor.
    Joe besah sich den Brunnen noch einmal etwas genauer. Fast hätte er es gar nicht bemerkt. Eine der kleinen Verzierungen hatte sich aus der Verankerung gelöst und war leicht verrutscht.
    Vorsichtig begann er diese weiter zu bewegen. Und wieder ertönte dieses leise Grollen. Weiter und weiter bewegte er nun das kleine Gesteinsteil, das Grollen schwoll zu einem ohrenbetäubenden Tosen an.
    Ganz langsam öffnete sich die Wand und eröffnete ihnen den Weg in die beängstigende Finsternis des Erdinneren. Aus weiter Ferne drang ein leises Sirren an ihre lauschenden Ohren.
    Vor Freude und Glück über den Ausweg lagen sie sich in den Armen und wollten es einfach nicht glauben, dass ihr Abenteuer unvermutet weiter gehen konnte.
    Auf die Freude über die unerwartete Rettung folgte bei den Männern jedoch ganz schnell eine niederschmetternde Ernüchterung.
    Die drei befanden sich hier unter der Erde, hatten einen unbekannten Weg durch die Dunkelheit des Felsinneren vor sich, ein Licht trug jedoch keiner von ihnen bei sich.
    Joes Fackel war ihm bei seinem plötzlichen Sturz in die Tiefe verloren gegangen. Henry und Edward waren ihm, ohne große Überlegung gefolgt und hatten dabei am allerwenigsten an ein Licht gedacht.
    Wie also sollten sie den Weg durch den finsteren Untergrund bewältigen?
    Da stand nun unser Trio und konnte es einfach nicht glauben. Ein Ausweg war so nah und doch so fern. Langsam schwand die letzte Hoffnung, denn wer oder was sollte sie jetzt noch retten können…
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2013
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  15. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 14
    Nun schien es also endgültig soweit zu sein. Das Glück, welches immer an ihrer Seite gewesen war, hatte sie verlassen.
    Alles was ihnen jetzt noch blieb, war in dieses Höhle zu verharren, bis sich das Ende einstellte oder aber nahezu blind in das finstere Loch vor ihnen hinabzusteigen. Doch Joe und seine Männer waren nun einmal richtige Piraten. Und da gehörte es nun auch einmal dazu, vor keiner Herausforderung zurück zu schrecken.
    Wenn es auch das letzte wäre, was sie jemals tun würden, sie waren fest dazu entschlossen, das Wagnis einzugehen und sich in die unendliche Finsternis zu wagen.
    Es war wie ein Sog, der die drei anzog und lockte.
    Und plötzlich erinnerte sich Joe an das mysteriöse Papier in seiner Tasche. War darin nicht von der Dunkelheit die Rede? Schnell nahm er das Papier noch einmal in die Hand und überflog die Zeilen. Nach mehrmaligem Lesen war er sich sicher. Nur wenn sie es wagten, voranzugehen, würden sie auch das nächste Zeichen finden können.
    Der Durchgang war nicht sehr groß und die dahinterliegende Dunkelheit mit all ihren undefinierbaren Geräuschen lud nicht gerade zum Eintreten ein und doch schien eine innere Stimme den Männern zu sagen: „Fürchtet euch nicht und tretet ein!“
    Joe, entschlossen als Captain wie immer voranzugehen, trat vor, seine beiden treuen Begleiter jedoch schienen Einwände zu haben. Sie waren fest entschlossen, ihm zuvor zu kommen und stürmten voran. Und schon war es passiert. Henry, der das Pech ja bekanntlich anzog, übersah eine kleine Unebenheit am Boden, kam auch schon ins Straucheln und verschwand mit einem Aufschrei in der Dunkelheit.
    Gab es bisher noch Zweifel, so gab es nun kein Zurück mehr. Allein schon um ihren Kameraden zu retten, mussten sie voran.
    Sorgfältig verstaute Joe seine gefundenen Schätze und wagte den ersten Schritt.
    Eine undurchdringliche Finsternis umfing ihn und langsam, viel zu langsam kam er voran. Der Weg war nicht sehr breit und war von rauen rissigen Wänden gesäumt, welche eine seltsame Wärme ausstrahlten, dass den Männern schon nach wenigen Schritten der Schweiß hinabrann.
    In den Fels gehauene Stufen führten die zwei immer weiter hinab in eine Welt tief unter der Erde.
    Aus weiter Ferne war Henrys Stimme ganz schwach zu vernehmen, der nach ihnen rief und sie immer wieder aufforderte, ihm zu folgen.
    Etwas erleichtert stiegen die beiden weiter hinab. Der Bootsmann war also noch am Leben. Dieser Weg in den Abgrund bedeutete also nicht unweigerlich das Ende.
    Nur mühsam ging es voran, die immer weiter zunehmende Hitze tat ihr übriges, jedoch wurden Henrys Rufe mit der Zeit etwas lauter, was nur bedeuten konnte, dass sich die beiden Gefährten ihm langsam näherten.
    Ein kleiner, noch schwacher Lichtschein am Ende der Stufen zeigte den Männern von nun an die Richtung. Nach einem unendlichen Weg durch die Finsternis schien das Ziel jetzt nicht mehr weit entfernt.
    Endlich ging es etwas zügiger voran und selbst die stetig zunehmende Hitze konnte die beiden nicht mehr zurückhalten.
    Der Fels schien inzwischen zu glühen. Das Licht vor Augen nahmen Joe und sein Begleiter dieses jedoch nur noch am Rande wahr. Immer hastiger stürmten sie vorwärts.
    Wieder ertönten die Rufe ihres Freundes, diesmal direkt vor ihnen. Er war also ganz nah.
    Eine letzte Stufe, ein letzter Schritt und es war vollbracht.
    Vorsichtig und fast zaghaft traten die Männer ein. Das was sie hier erblickten, hatten sie wahrlich nicht erwartet.
    Die freudige Begrüßung durch Henry, die angenehme Kühle, die sie hier empfing, all dies war zur Nebensache geworden, waren sie doch viel zu sehr gefangen von dem Anblick, der sich ihnen nun bot.
    Der Raum war erfüllt von zarten elfengleichen Wesen, die ihn mit ihrem warmen Regenbogenlicht erhellten. Sie tanzten wie kleine Sterne in der Luft und sangen eine mystische Melodie, deren Sprache unseren Piraten zwar völlig unbekannt erschien, sie jedoch sofort gefangen nahm und sich tief in ihre Seele brannte…..
    Edward fand als erster seine Stimme wieder. „Da hol mich doch der Klabautermann! Joe, was ist das für ein Hexenwerk?“
    Der angesprochene blieb jedoch eine Antwort schuldig. Edward fuhr zu ihm herum. „Captain, was sollen wir….. „
    Die Frage blieb unausgesprochen, denn Joe hatte sich längst von seinem Platz begeben. Den Blick starr nach vorn gerichtet, bewegte er sich langsam auf die zauberhaften Wesen zu. Den gläsernen Dolch trug er auf den ausgestreckten Handflächen vor sich her, fast so, als würde er ein Geschenk überbringen.
    Selbst der quirlige Henry war mittlerweile verstummt und fragend sahen sich die beiden Männer an.
    Was hatte Joe denn jetzt schon wieder verrücktes vor?
     
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  16. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 15
    Wie in Trance ging Joe weiter. Warum er dies tat, konnte er sich selbst nicht erklären. Er wusste einfach, dass es das richtige war. So wie er auch wusste, dass er und seine Freunde nichts zu befürchten hatten.
    In seinem Kopf wiederholte eine Stimme immer und immer wieder in beruhigender Monotonie die Worte aus dem rätselhaften Brief:

    „Das Licht des Lebens rein und klar
    bietet dir seine Hilfe dar.
    Nimm die Gabe und fürchte dich nicht,
    sie scheint in der dunkelsten Stunde als deines Schicksals Licht.“​

    Joe hatte nur noch Augen für diese zarten zauberhaften Wesen. Immer dichter umschwirrten sie ihn und hüllten ihn mit ihrem mysteriösen Gesang ein in einen Kokon aus Fantasie und Traum.
    Wie durch einen dichten Nebel sah er aus den Augenwinkeln seine Kameraden und hörte sie nach ihm rufen, doch selbst wenn er es gewollt hätte, es gab für ihn längst kein Zurück mehr.
    Es hatte den Anschein, als hätte er sich auf die Reise durch sein bisheriges Leben begeben.
    Menschen aus einer längst vergangenen Zeit zogen an seinem geistigen Auge vorbei, Personen, die ihm einst sehr viel bedeuteten und die er schon vor langer Zeit verloren hatte.
    Er sah sich als kleinen Jungen mit seinen Brüdern balgen und mit ihnen durch die Gassen rennen, sah das verhärmte Gesicht seiner Mutter, die Tag und Nacht geschuftet hatte, um die hungrige Familie durchzubringen.
    Dann waren da seine Kameraden, mit denen er vor so vielen Jahren auf der „Black Mary“ angeheuert hatte, in der Hoffnung, das Abenteuer ihres Lebens zu bestehen. Im wahrsten Sinne des Wortes hatten sie das ja auch, wenn dieses Abenteuer auch ganz anders ausgefallen war, als sie es sich vorgestellt hatten.
    Viele von diesen Männern waren schon lange nicht mehr an seiner Seite und schon sehr oft hatte er in einem ruhigen Moment ihrer gedacht.
    Jetzt waren sie aber alle wieder um ihn und langsam begann er, sich zu fragen, was hier vor sich ging.
    Nach und nach gelangten all seine geheimen Gedanken, Sehnsüchte und Hoffnungen an die Oberfläche, die er sonst tief in seinem Herzen unter Verschluss hielt.
    Trotz allem ging er weiter und weiter und dachte nicht daran zurückzuweichen.
    So in dieser neuen Welt voller Erinnerungen gefangen, war es Joe völlig entgangen, dass seine beiden Kameraden ihm mittlerweile gefolgt waren und nicht mehr von seiner Seite wichen.
    Und so schritten sie Seite an Seite immer weiter voran, auf einem Weg, der kein Ende zu nehmen schien und sie immer weiter hineinführte in ein Reich zwischen Traum und Wirklichkeit.
    Nach einer unendlich scheinenden Reise durch die Vergangenheit und durch ihre Gedankenwelt gelangten die drei Gefährten an ein riesiges, steinernes Tor.
    Als Joe den Kopf zurücklegte, um besser sehen zu können, hielt er im letzten Moment seinen Hut fest, bevor dieser herunterfiel.
    In den Fels war ein doppelköpfiger Vogel gemeißelt, einem Raben oder einer Krähe nicht unähnlich, der die Flügel beschützend um den Eingang zu legen schien.
    Die Darstellung war so detailgetreu, und lebensecht, dass Joe unwillkürlich erschauderte.
    „Da soll mich doch der Blitz im Ausguck treffen! Joe, das ist ….erfurchterweckend!“ murmelte Henry leise neben ihm.
    „Allerdings. Es strahlt Macht und Stärke aus und soll bestimmt beeindrucken und abschrecken. Ich wüsste nur zu gern, was sich hinter dieser Wand befindet. Lasst es uns herausfinden! Seid ihr bereit?“ „Aye, Aye Captain!“ , kam es sofort zurück.
    „Aber Joe, wie willst du denn….“ , setzte Edward zu einer Frage an, verstummte jedoch, als er zu seinem Captain sah.
    Dieser hatte sich mittlerweile wieder dem Tor zugewandt und besah es sich genauer. Ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel verriet, dass er schon gefunden hatte, wonach er suchte.
    Zielgerichtet betastete er eine kleine Öffnung im Gestein, die so klein war, dass man sie nur bei ganz genauem Hinsehen erkennen konnte.
    Und schon nahm er den gläsernen Dolch, den er noch immer in den Händen hielt und setzte ihn in den kleinen Spalt.
    Ein leises Klacken ertönte und lautlos mit gewaltigem Grollen öffnete sich die Pforte und gab den Männern den Weg frei, während der Gesang der kleinen Zauberwesen zu einem regelrechten Orkan anschwoll.
     
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  17. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 16
    Die Lichtwesen, die die Männer umgaben, waren verstummt. Lautlos schwirrten sie voran und begannen, den Raum zu erhellen.
    Ein Lichtstrahl geisterte über den Steinboden, auf dem jahrhundertealte Geröllstückchen lagen.
    „Meinst du, es ist sicher, Joe?“ Edward besah den Eingang kritisch.
    „Ich weiß es nicht sicher, aber mein Gefühl sagt mir, uns wird nichts geschehen.“ Joe erinnerte sich, dass sich seine Ansichten bisher als richtig herausgestellt hatten und das verlieh ihm neuen Mut.
    „Hier gibt es nichts, was uns Angst machen könnte, es sei denn, unsere Fantasie geht mit uns durch.“
    Zwar konnte er sich da nicht sicher sein, aber er weigerte sich, an diesem Punkt aufzugeben.
    „Wenn du unbedingt da rein gehen willst, sind wir dabei.“ Edward trat neben ihn.
    „Wir sind hier, um dir zu helfen und nicht, um dich aufzuhalten. Auf uns kannst du zählen, Captain.“, vernahm er Henrys Stimme.
    “Also dann, Männer! Sehen wir nach, was uns erwartet.“ Während Joe das Herz bis zum Halse schlug, ging er langsam vorwärts und sah sich noch einmal um. „Wahrscheinlich hält es, wenn wir nicht zu heftig atmen. Seid ihr bereit?“ „Es kann losgehen!“, kam es zurück.
    Und so traten sie gemeinsam ein.
    Am anderen Ende der Höhle hatte der Boden nachgegeben. Alles sah sehr verfallen aus und doch wirkte dieser Raum majestätisch.
    An der gegenüberliegenden Wand war etwas in den Stein gemeißelt worden. Im Näherkommen erkannten die drei das Porträt einer jungen Frau, die auf einem Thron saß, während ihr langes Haar in Wellen über ihre Schultern fiel. Auf dem Kopf trug sie eine Krone, ihre Arme und der Hals waren mit juwelenbesetzten Reifen geschmückt.
    Joe ging ganz nah heran und fuhr mit den Fingern die von einem unbekannten Künstler geschaffenen Rillen nach. Wer mochte diese „verlorene Prinzessin“ sein?
    Auch seine beiden Begleiter waren nähergetreten und starrten mit offenen Mündern auf das Bildnis dieser wunderschönen Frau.
    Aus den Augenwinkeln nahm Joe den Hauch einer Bewegung wahr. Sofort die Hand an seinem Schwert fuhr er herum.
    Schemenhaft nahm er in der Dunkelheit am anderen Ende des Raumes eine Gestalt wahr, deren langes Gewand sie in Wellen umspielte.
    Auch Henry und Edward hatten inzwischen ihre Schwerter gezogen und starrten in die Finsternis.
    „Ich habe euch schon erwartet! Wenn jemand den Weg hierher finden würde, dann ihr!“ Die Gestalt kam näher und trat letztendlich ins Licht.
    Anmutig trat sie weiter vor, fast schien sie über den Boden zu schweben. Vor den Männern stand die wunderschöne Frau, deren Bildnis sie soeben noch bewundert hatten, nur war sie, wie sie jetzt so vor ihnen stand, noch um einiges schöner und zauberhafter, als die Zeichnung an der Wand versprach.
    Längst hatten die drei ihre Waffen gesenkt und waren zu keiner Regung mehr fähig. Ungläubig starrten sie die Schöne mit offenen Mündern an.
    „Wer…. Wer bist du?“ Joe hatte als erster seine Stimme wiedergefunden und stammelte fast ehrfürchtig.
    „Ich bin die, die euch rief. Also fürchtet euch nicht!“
    „Willst du damit sagen, diese geheimnisvollen Schriften kamen von dir? Aber wozu das alles? Und außerdem, warum diese ganzen Geheimnisse? Und was sollen wir hier? Zum Henker, was willst du von uns?“ Die Fragen sprudelten nur so aus Joe heraus.
    „Wenn du nur für einen Moment den Mund halten würdest, dann könnte ich es euch erklären. Ich habe euch gerufen, da ich eure Hilfe benötige. Nur ihr seid in der Lage, mich zu retten und damit auch euch selbst. Ihr habt unser aller Schicksal in der Hand.“
    Joe glaubte nicht, was er da hörte. Erst war es nur ein leises Glucksen, dann brach er in schallendes Gelächter aus. Sein Lachen wurde von den hohen Felswänden zurückgeworfen. Aber da schwang auch all die Verzweiflung mit, die ihn jetzt erstmals wieder überkam. „Soll das ein Witz sein!? Sieh uns doch einmal an! Sehen wir etwa so aus, als könnten wir jemanden retten? Wir sind ja nicht einmal in der Lage, unser eigenes Schicksal abzuwenden, obwohl wir schon alles versucht haben.“
    Von seinem Gefühlsausbruch völlig unbeeindruckt, entgegnete sein Gegenüber ihm mit eindringlicher Stimme: „ Ich weiß von dem schweren Fluch, der auf eurer Schulter lastet. Ich weiß aber auch, wie ihr ihn abwenden könnt. Habt ihr euch nie gefragt, wie ihr in all den Jahren aus jeder noch so ausweglosen Situation gerettet wurdet? Ich beobachte euch schon sehr lange und habe immer, soweit es in meiner Macht stand, meine schützende Hand über euch gehalten, denn ich bin mir sicher: Ihr seid die Auserwählten, die all dem Schrecken ein Ende bereiten können!“
    „Das warst du?“ Joe konnte es nicht fassen und auch seine beiden Kameraden standen ungläubig neben ihm. „Warum hast du uns denn so viele Jahre ins Ungewisse segeln lassen und uns nie ein Zeichen gegeben?“
    „Glaube mir, wenn es in meiner Macht gestanden hätte, dann hätte ich mich schon viel früher zu erkennen gegeben. Erst jetzt, da Phylixas Kraft nachlässt, ist es mir jedoch möglich. Und jetzt hört mir genau zu! Wir haben nicht mehr viel Zeit.“
    Und die Männer hörten genau zu und versuchten, zu begreifen.
     
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  18. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 17
    In grauer Vorzeit, als es noch friedlich auf der Erde zuging, lebten zwei mächtige Hexen, deren Verpflichtung und Ziel es war, jegliches Übel von den Menschen fernzuhalten. Und sie nahmen ihre Aufgabe sehr genau.
    Einträchtig lebten sie mit den Menschen und sorgten für sie.
    Während Phylixa das Meer und die Winde im Zaum hielt, war es Kadryas Pflicht, an Land für das Wohl der Menschen zu sorgen.
    Gemeinsam hielten die zwei so manche Gefahr fern und sorgten für blühendes Land und Wohlstand in der Region.
    Vermutlich wäre es am heutigen Tage noch so, wenn Neid und Missgunst nicht alles zerstört hätten.
    Schon lange nagte an Phylixa der Neid auf Kadrya. Wie gerne hätte sie deren Schönheit, deren Zauberkraft und deren Ansehen bei den Menschen.
    Da sie jedoch ihr Reich in den Tiefen des Meeres hatte, wurde sie leider sehr oft von den Menschen gar nicht wahrgenommen. Dabei tat sie doch so viel. Ihr verdankten die Fischer ihre ewig vollen Netze und sie war es auch, die immer wieder verhinderte, dass Stürme oder das Meer, die Inseln zerstörten. Zwar dankte man ihr hin und wieder und brachte ihr Gaben dar, aber wie sie fand, nicht genug.
    Kadrya hingegen, die das Privileg hatte an Land zu herrschen, war immer unter diesen und konnte somit nicht vergessen werden. Sie wurde mit Dank, Geschenken und Huldigungen nur so überschüttet. Ihre Güte und Zuneigung zu den Menschen war enorm und da sie unter den Menschen lebte, als wäre sie eine von ihnen, beteten diese sie förmlich an.
    Phylixa hingegen geriet immer mehr in Vergessenheit und fühlte sich ausgeschlossen und verraten.
    Ihr Groll wuchs ins Unermessliche und ihr einst so gutes Herz wurde im Laufe der Jahre vom Neid zerfressen.
    Als es Kadrya dann irgendwann auch noch gelang einen Zauber zu finden, der das ewige Leben versprach und sie auch sogleich mit dem Jungbrunnen eine Möglichkeit fand, dieses Geschenk an alle Menschen weiterzugeben, wuchs Phylixas Zorn ins Unermessliche.
    In den Tiefen des Meeres ersann sie einen perfiden Plan, um Kadrya zu vernichten. Sie war fest davon überzeugt, dass, wenn diese nicht mehr wäre, sie schnell in Vergessenheit geraten würde und alle Menschen fortan sie, Phylixa, lieben und anbeten würden.
    Da es ihr jedoch nicht möglich war, das Meer zu verlassen, brauchte sie Helfer, die sie an ihr Ziel brachten und diese waren leider viel zu schnell gefunden, Seeleute, arme Teufel, die mit ihrem Schiff zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
    Für Phylixa war es ein leichtes, deren Schiff in ihre Gewalt zu bringen und es in die Tiefen ihres nassen Reiches zu ziehen.
    Die Männer hätten in ihrer Todesangst alles getan und mit ein paar Versprechungen und etwas schwarzer Magie hatte Phylixa schnell ihre Handlanger gefunden.
    Diese armen Kerle hatten keine Ahnung, auf was sie sich das eingelassen hatten. In dem Glauben, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können, waren sie zu jeder Untat bereit und sei sie noch so abscheulich.
    Mit einer List mischten sie sich unter die Menschen, um in Kadryas Nähe zu sein, brachten deren magisches Amulett an sich und ließen sie in einer Höhle tief unter der Erde zurück. Freudig auf die versprochenen Belohnungen hoffend, kehrten sie zurück und wurden seitdem nie wieder gesehen.
    Ihrer größten Kräfte beraubt, war Kadrya nun dazu verdammt, hier in der Finsternis der Erde zu leben.
    Phylixa glaubte sich am Ziel. Von nun an würde sie allein über die Menschen herrschen können und diese würde ihr den Respekt erweisen, den sie ihrer Meinung nach auch verdient hatte.
    Eins hatte sie jedoch nicht bedacht.
    Kadrya war zwar ihrer größten Macht beraubt, jedoch war sie immer noch im Besitz ihrer magischen Kristallkugel.
    Mit deren Hilfe war sie zwar nicht in der Lage, sich aus ihrer Verbannung zu befreien, jedoch konnte sie auch weiterhin sehen, was oberhalb des Erdreichs vor sich ging und, soweit es in ihrer Macht stand, hilfreich eingreifen. Sie war weiterhin für die Menschen da, auch wenn sie nicht direkt unter ihnen sein konnte und diese liebten sie dafür umso mehr.
    Der Zorn der Wasserhexe wuchs ins Unermessliche und sie ersann immer neue Listen, um die „undankbaren Menschen“ zu bestrafen.
    Immer mehr Schiffe versanken in den Fluten. Tosende Wellen und Stürme überzogen die Inseln und vernichteten die Ernten. Nach und nach nahm sie den Menschen alles, bis diese aufgaben und sich eine neue Heimat suchten.
    Phylixa jedoch blieb allein zurück.
     
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  19. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 18
    Was hatten die ganzen Intrigen und Rachepläne jetzt genutzt? All die Menschen waren vertrieben und es war niemand mehr da, der Phylixas Macht und Reichtum wahrnahm und bewunderte. Ihr Hass wurde immer größer und sie beschloss, sich auf die Vermehrung ihres Reichtums zu konzentrieren und an den Menschen, die sie so schändlich im Stich gelassen hatten, Rache zu nehmen.
    Von diesem Zeitpunkt an, war kein Schiff, das sich in den Machtbereich wagte, mehr vor ihr sicher.
    Sie alle wurden auf grausame Art und Weise in die Tiefe gerissen. Deren Besatzungen gehörten fortan zu Phylixas Armee, deren Aufgaben darin bestanden, auf den Meeren Angst und Schrecken zu verbreiten und dabei immer mehr Legionäre zu finden, die sich ihrem Heer anschließen mussten, weil es zu einer Umkehr zu spät war, sobald sie einmal die verwunschenen Schiffe betreten hatten.
    Diese armen Burschen waren fortan dazu verdammt, über die Meere zu segeln und Phylixas Reichtum zu mehren.
    Wer es wagte gegen sein Schicksal aufzubegehren, fand unweigerlich sein Ende in den kalten nassen Fluten.
    Kadrya unterdessen sah mit Schrecken dieses scheußliche Treiben, hatte jedoch nicht die Macht etwas dagegen zu unternehmen. Nur an Land konnte sie auch weiterhin ihre schützende Hand über die Menschen halten.
    Und dann war eines Tages ein neues imposantes Schiff aufgetaucht. Schon als es das erste Mal am Horizont auftauchte, konnte Kadrya spüren, dass es eine besondere Aura umgab und das Geschehen in den nächsten Wochen sollte ihr Recht geben.
    Die „Black Mary“ kreuzte nun von diesem Tag an in den Gewässern rund um die Insel. Zu deren Besatzung fühlte Kadrya sofort eine besondere Verbindung, denn die Männer waren anders als all die anderen Seeleute in Phylixas Diensten.
    Der Captain Black Crow, war zwar eine schwarze Seele der übelsten Art, seine Männer aber hatten ein gutes reines Herz. Sie zeigten Mut und kämpften gegen ihr Schicksal an. Phylixas Bann schien keine oder nur teilweise Macht über die Burschen zu haben und sie ersannen immer neue Möglichkeiten, ihr zu entkommen.
    Eines Tages sollten sie endlich die Möglichkeit dazu bekommen.
    Black Crow, der selbst von Neid und Gier zerfressen war, beging einen folgenschweren Fehler. In einem günstigen Moment brachte er den wertvollsten von Phylixas Schätzen in seinen Besitz, das magische Amulett.
    Er war fest davon überzeugt, jetzt da es in seinem Besitz war, hätte Phylixa keine Macht mehr über ihn. Doch da hatte er sich gewaltig geirrt.
    Egal, wohin er auch floh, die Hexe erwartete ihn und seine Männer schon. Es schien kein Entkommen zu geben.
    Als dann auch noch seine Männer begannen, gegen ihn zu meutern, sah er nur noch einen Ausweg. Er musste das Amulett an einem geheimen Ort verwahren, bevor es in die falschen Hände fiel. Also schaffte er es in einem unbeobachteten Moment an Land, da er wusste, hier konnte Phylixa nichts ausrichten. Nun war ihm das ewige Leben sicher.
    Seiner Crew war dies jedoch nicht genug. Zu oft schon hatte er sie in Gefahr gebracht und sie waren sicher, dass er sie jederzeit ohne Skrupel opfern würde, nur um seine schwarze Seele zu retten.
    Kurzerhand verbannten sie ihn auf eine einsame Insel und nahmen von nun an ihr Schicksal in die eigenen Hände.
    Bald schon kam es zu einer erneuten Begegnung mit der Herrscherin des Meeres. Als diese jedoch feststellen musste, dass sich weder der Dieb noch seine Beute mehr an Bord befanden, gelang es den Männern, ihr mit List und Tücke ein Versprechen abzuringen.
    Würde es ihnen gelingen, das Amulett zu finden und es zurückzubringen, wären sie auf ewig von dem Bann befreit und könnten wieder als ganz normale Menschen leben.
    Genau einhundert Jahre währte die Frist. Sollte es in dieser Zeit nicht gelingen, das Versteck aufzuspüren, wären sie auf ewig dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit in Phylixas Heer der verdammten Seelen zu dienen.
    Voller Eifer machten sich die Piraten auf eine Reise durch die Zeit. Doch die Jahre vergingen und nach und nach schwand die Hoffnung.
    Doch immer wenn die Verzweiflung zu groß wurde, war es Kadrya, die einen Hoffnungsstrahl sandte, an dem sich die Jungs wieder aufrichten konnte.
    Die Männer hatten zwar gespürt, dass da etwas war, das über sie wachte, jedoch nicht sagen können, ob es tatsächlich real oder nur ein Produkt ihrer Fantasie war.
    Jetzt endlich kannten Joe und seine beiden Begleiter die ganze Geschichte und im Nachhinein erklärten sich dadurch einige Situationen wie von selbst.
     
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  20. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 19
    Längst hatte Kadrya mit ihrer Erzählung geendet, doch die Männer saßen noch immer mit offenen Mündern und konnten es nicht glauben. Sie sollten tatsächlich die Auserwählten sein, die den Kampf gegen Phylixa aufnehmen und auch gewinnen konnten?
    „Nun kennt ihr die ganze Geschichte und wisst, dass es an der Zeit ist, das Unheil zu stoppen. Unser aller Schicksal liegt in eurer Hand.“ Kadrya hatte ihre Stimme erhoben, um den Männern noch einmal eindrücklich klar zu machen, wie ernst die Lage war.
    „Wir reisen jetzt seit fast einhundert Jahren durch die Zeit, ohne etwas an unserem Schicksal geändert zu haben. Alles, was wir bisher versucht haben, war zum Scheitern verurteilt. Warum sollte sich jetzt etwas daran geändert haben?“ Auch Joe erhob jetzt voller Verzweiflung die Stimme.
    „Ich weiß, dass ihr mir nicht einfach so vertrauen könnt. Zuviel Schlechtes ist euch im Laufe der Jahre widerfahren. Doch ich werde, soweit es in meiner Macht steht, auf eurer Mission bei euch sein. Ich werde euch auch weiterhin den Weg weisen. Gebt auch weiter gut auf meine Zeichen acht, dann werdet ihr sicher an euer Ziel gelangen.“
    Nun meldete sich auch Henry zu Wort. „Wie nur sollen wir mit unseren Schwertern und Äxten gegen Phylixas Zauber bestehen? Das haben wir weiß Gott oft genug versucht und dabei viele gute Männer verloren!“
    „Nicht immer sind Waffen vonnöten, um eine Schlacht siegreich zu schlagen. Manchmal benötigt man nur List und einen wachen Verstand und dass ihr damit überaus reichlich gesegnet seid, habt ihr in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen.“
    Joe war vielleicht nicht ganz so optimistisch, doch sah er ein, dass es keinen anderen Weg geben würde. „So sei es denn! Wir werden es wagen. Möge der Himmel mit uns sein!“
    Kadrya lächelte wissend. „Ich habe gehofft, dass dies deine Antwort sein würde. Ich sehe es in deinen Augen. Du hast verstanden, hast alles verstanden.“
    „Was soll das heißen? Was hast du verstanden?“, wollte jetzt Edward wissen.
    „Er hat verstanden, dass die Zeit für Veränderungen auf der Erde gekommen ist. Solltet ihr scheitern, wäre alles verloren. Das Böse würde erstarken, das Gute würde verschwinden und die Welt, wie wir sie jetzt kennen, wäre verloren.“
    Joe hatte nur zu gut verstanden und er wünschte fast, er wäre so unwissend wie vorher. Unfähig zu einer Antwort konnte er nur mit dem Kopf nicken.
    „Nun meine tapferen Freunde ist es an der Zeit aufzubrechen. Euer Weg wird lang und voller Gefahren sein, denn Phylixa ist auf euer Kommen vorbereitet. Seid also auf der Hut!“
    Eine simple Handbewegung Kadryas genügte und ein kleines silbernes Kästchen kam aus der Dunkelheit herangeschwebt. Vorsichtig nahm sie es in die Hände und übergab es dann an Joe.
    „Von nun an seid ihr auf euch allein gestellt. Alles was ich für euch tun kann, ist euch den rechten Weg zu weisen. Hier in der Schatulle findet ihr alles, was ihr auf eurer Reise braucht. Nun ist es für mich an der Zeit, in die Dunkelheit zurückzukehren und euch viel Glück zu wünschen. Möge eure Mission gesegnet sein! Und wenn ihr einmal mutlos und verzweifelt seid, vergesst bitte niemals, unsere Zukunft liegt von nun an in euren Händen. Lebt wohl! Ich bin mir sicher, wir sehen uns in einer glücklicheren Zeit wieder.“
    Mit diesen Worten wandte Kadrya sich von den dreien ab und entschwand zurück in die Finsternis, aus der sie gekommen war.
    Joe und seine beiden Gefährten blieben noch immer sprachlos zurück. Nur die kleinen Lichterwesen blieben noch bei ihnen und erhellten ihnen den Raum.
    „Captain, lass uns nachsehen, was darin verborgen ist.“ Henrys neugierige Blicke wanderten über das Kästchen in Joe Händen. Ungeduldig trat er von einem Bein auf das andere.
    Joe zögerte jedoch noch, so als könnte er das Unausweichliche noch etwas hinausschieben. „Später, Männer! Lasst uns erst einmal von hier verschwinden.“ Zwar hätte er auch sehr gern gewusst, was er da mit sich herumtrug, doch machte ihn die Aussicht auf die Verantwortung, die sie nun trugen, auch etwas nervös.
    Hektisch sah er sich in der Grotte um. Irgendwo musste es doch einen Ausweg geben.
    Als hätten die kleinen Elfen ihn verstanden, schwebten sie alle in eine finstere Ecke, um diese zu erhellen.
    Die Männer traten näher und sahen sich um. Doch vor ihnen befand sich nur eine kalte Gesteinswand.
    Gerade als Joe fragen wollte, was dies zu bedeuten hatte, da sah er, wovor sie standen. „Du meine Güte!“
    Unter normalen Umständen hätte er wahrscheinlich hundert Mal auf die Wand blicken können, ohne etwas Außergewöhnliches wahrzunehmen.
    Der Ausgang war nicht mehr als ein Spalt im Gestein. Der Durchgang sah nicht gerade einladend aus und Edward fragte: „Glaubst du, es ist sicher?“
    Joe sah die beiden eindringlich an. „Von mir bekommt ihr keine Garantien. Dies ist aber von nun an unser Weg und niemand kann sagen, wie er enden wird. Seid ihr so weit?“
    Waren sie das? Waren sie bereit, etwas zu riskieren?
    Noch einmal atmeten sie tief durch und krochen dann nacheinander durch den Spalt.
     
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