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Der Schatz am Ende des Regenbogens

Dieses Thema im Forum 'Benutzerecke' wurde von -kulli- gestartet, 16 November 2013.

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  1. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 20
    Eine warme feuchte Luft umfing die Männer, als sie auf allen vieren einen langen tunnelartigen Gang entlang krochen. Da sie sich nun wieder in totaler Dunkelheit befanden, mussten sie sich einmal mehr völlig auf ihren Tastsinn verlassen.
    Modriger Geruch stieg in ihre Nasen und man hörte Edward leise fluchen, als er sich zum wiederholten Male den Kopf angestoßen hatte. „Bei Neptun! Joe, wo führst du uns hin? In die Freiheit oder in unser Grab?“
    Henry war mittlerweile völlig verstummt. Schnaufend bahnte er sich seinen Weg.
    Joe schien inzwischen so in seine Gedanken versunken zu sein, dass er nichts um sich herum mehr wahrzunehmen schien.
    Meter um Meter ging es voran und die leichte Neigung des Ganges ließ vermuten, dass sich die drei noch tiefer ins Erdinnere begaben.
    Dann endlich ließ ein kleines Licht am Ende des Tunnels auf ein Ende ihrer Strapazen hoffen. Eifrig krochen sie voran und erreichten schon bald erneut eine Höhle, deren größter Teil von hellem Tageslicht durchflutet wurde.
    Während sich die Männer mühsam aufrichteten und ihre müden Knochen streckten, sahen sie sich neugierig um.
    Was sie erblickten waren, wie in der letzten Zeit zu oft, nur kaltes feuchtes Felsgestein. Über ihnen in vielen Meter Höhe jedoch, strahlte ihnen das Sonnenlicht ins Gesicht.
    Die Welt da draußen schien nach ihnen zu rufen, für Joe und seine Gefährten schien sie jedoch unerreichbar. Wie sollten sie denn auch ohne Hilfsmittel diese steilen glatten Wände bezwingen!?
    Verzweifelt ließ Joe sich auf den rauen staubbedeckten Boden fallen. Seine beiden Begleiter kauerten sich neben ihn.
    „Zum Henker! Ich hab`s ja gewusst. Auf was haben wir uns da bloß eingelassen?“, brummte Edward vor sich hin.
    „Halt den Mund, Ed!“, fiel Henry ihm ins Wort. „Joe wird uns hier schon rausbringen. Das hat er bisher immer. Ihm fällt schon etwas ein. Joe, sag uns, dass du eine Idee hast!“ Erwartungsvoll sahen jetzt beide Männer zu ihrem Captain, der völlig regungslos auf dem Boden kauerte und gedankenverloren auf das kleine Kästchen in seinen Händen starrte.
    „Joe? Captain, was ist mit dir?“ Edward packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn leicht.
    Noch völlig abwesend und verwirrt starrte dieser jetzt seine beiden Begleiter an. „Was… was ist los?“
    Edward begann schon wieder zu fluchen. „Himmel, ich hab`s doch gewusst! Wie kann man auch einer Hexe vertrauen!? Der Captain ist schon ganz wirr im Kopf und uns wird es sicher auch nicht besser ergehen.“
    Bei einem erneuten Blick in Joes Richtung verstummte er jedoch sofort.
    Dieser hatte seine ganze Aufmerksamkeit längst wieder auf das Kästchen auf seinem Schoß gelenkt und besah sich nun das Schloss genauer.
    „Es ist nicht verschlossen.“, stellte er erfreut fest. „Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um nachzusehen. Ich bin mir sicher, hier drin finden wir eine Antwort auf unsere Fragen.“ Und schon schob er vorsichtig das kleine Häkchen, dass als Verschluss diente beiseite und hob ganz langsam den Deckel.
    Edward und Henry waren noch näher herangerückt, um besser sehen zu können, doch was sie jetzt erblickten enttäuschte sie doch.
    Das Kästchen war bis zum Rand gefüllt mit vielen nichtssagenden Dingen. Steine, Federn und ein kleiner Kristall kamen zum Vorschein.
    „Captain, was hat das zu bedeuten?“ Henry konnte seine Enttäuschung nicht länger verbergen. „Wie soll uns dieser ganze Plunder weiterhelfen?!
    „Wartet es nur ab!“ Joe schien im Gegensatz zu seinen Begleitern immer noch optimistisch zu sein. Fast andächtig entnahm er jetzt der Schatulle Gegenstand für Gegenstand, hielt jedes Teil gegen das einfallende Sonnenlicht, um es noch besser betrachten zu können, um sie dann vor sich auf dem Boden aufzureihen.
    Ganz zum Schluss hielt er dann wieder eine Botschaft in den Händen, wie schon die Male zuvor.
    Er hatte es geahnt, Kadrya würde ihnen auch jetzt wieder den richtigen Weg weisen.
    Seine Augen begannen zu leuchten, als er mit zitternden Händen das Papier entfaltete, um möglichst schnell das nächste Rätsel zu lösen.
     
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  2. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 21

    Fünf goldene Schlüssel sind verstreut,
    verborgen bis in alle Ewigkeit.
    Doch wer sie findet und in seinen Händen hält,
    der erhält Einlass in die verborgene Welt.
    Ein kleiner klarer Edelstein
    soll euch Trost und Hoffnung sein,
    soll euch Licht und Wärme spenden
    nur durch die Kraft aus euren Händen.
    Noch einmal las Joe die rätselhaften Zeilen, war aber immer noch genauso ratlos wie zuvor. Seinen beiden Begleitern ging ebenso.
    „Bei Neptun, ich hab es euch doch gleich gesagt. Wir hätten dieser Hexe niemals trauen dürfen. Jetzt sitzen wir in der Falle.“ Edward war außer sich vor Wut. „Wenn es nur nicht so dunkel wäre, dann würde ich sofort zurückkehren und ihr mit meinem Schwert eine Lehre erteilen.“
    „Jetzt komm schon Ed, beruhige dich.“, fiel Henry ihm ins Wort. „Bisher hat sie uns nie belogen und wir haben immer einen Ausweg gefunden. Joe, weiß sicher längst, was zu tun ist.“ Dann wandte er sich erwartungsvoll um. „Captain, wie geht es jetzt weiter? Was sollen wir tun?“
    Doch keine Antwort. Joe saß noch immer auf dem Boden und starrte nachdenklich auf die seltsamen Gaben vor ihm, um dann wieder die rätselhaften Zeilen zu lesen.
    Vorsichtig nahm er nun den kleinen Kristall vom Boden auf und betrachtete ihn noch einmal genau, während seine Männer ihn nicht aus den Augen ließen und ungeduldig von einem Bein auf das andere traten.
    Andächtig begann er nun, den kleinen Stein zwischen seinen Händen zu reiben.
    Edward konnte es nicht glauben. War sein Captain jetzt völlig verrückt geworden? Gerade setzte er an, um dies kundzutun, verstummte jedoch sofort, als Joes Handeln tatsächlich einen Sinn ergab.
    Erst war es nur ein schwaches Licht, doch schon bald erstrahlte der Stein in einem herrlichen und warmen Licht.
    Joe war mittlerweile aufgestanden und schritt nun die hinteren finsteren Ecken der Höhle ab, um diese genauer zu untersuchen.
    „Männer helft mir mal! Packt mal mit an!“ Was sie dann mit vereinten Kräften hervorholten, gab ihnen nur noch mehr Rätsel auf.
    Ein altes verwittertes Floss lag da vor ihnen. Zwar schien es noch sehr stabil zu sein, aber was sollten sie denn damit anfangen können.
    Henry schritt einmal um das Floss herum, als gäbe es da noch etwas zu entdecken. „Es ist zwar nicht die „Black Mary“, aber jetzt können wir uns doch wieder als Seeleute fühlen, wenn auch etwas ganz entscheidendes fehlt. Vielleicht finden wir ja noch die passenden Segel. Und wenn wir tief genug graben, stoßen wir ja sicher auch noch auf Wasser. Männer, ich sag euch, dies ist unser Ende!“
    Sogleich brach er in ein völlig hysterisches Lachen aus.
    Seine Kameraden machten sich indessen daran, die nächste finstere Ecke zu untersuchen.
    Das Lachen wurde von den hohen Felswänden zurückgeworfen. Das machte die ganze Situation noch unheimlicher.
    Aber da schwang noch etwas mit. Joe lauschte angestrengt. Das Rauschen wurde lauter, war über ihnen und um sie herum. Die Luft vibrierte regelrecht und plötzlich wusste Joe, worum es sich bei dem Geräusch handelte. „Edward“, rief er warnend, als dieser sich weiter in eine kleine Nische vorbewegen wollte, „tu das nicht!“ Aber zu spät.
    Joe streckte die Hand nach Edward aus, bekam schließlich seinen Arm zu fassen und zog ihn zurück in die lichtdurchflutete Höhle.
    „Ich war noch nicht fertig.“
    Er blieb jedoch nicht stehen, um erst lange zu erklären, sondern zerrte seinen verdutzten Begleiter weiter hinter sich her.
    Was, um alles in der Welt…?“
    „Fledermäuse“, flüsterte Joe und genau in diesem Moment kamen die ersten auch schon aus dem Felsspalt geflogen. Zunächst waren es nur einige wenige, aber dann folgten immer mehr. Das Licht hatte sie aufgeschreckt und jetzt drängten sie ins Freie, dass es aussah, als würde schwarzer Rauch aus der Höhle quellen.
    Edward stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben und noch bevor Joe reagieren konnte, rannte er los und presste sich verängstigt an die nächste Felswand.
    Henry, der sich inzwischen auch wieder gefangen hatte, betrachtete amüsiert das Spektakel. „Ed, die kleinen Fledermäuse tun nichts!“
    Doch mit Vernunftsgründen brauchte man dem jetzt nicht kommen. Schützend legte er die Arme um den Kopf, aus Angst, die Tiere würden sich in seinem Haar verfangen. Eigentlich wusste er ja, dass so etwas nicht passieren konnte und dass es nur ein Ammenmärchen war, aber das machte keinen Unterschied. Die Fledermäuse, so klein und harmlos sie auch waren, versetzten ihn in Panik.
    „Ed, ist alles okay…“ Als Joe zu ihm trat und seine Schulter umfasste, riss Edward sich los und rannte weiter, als ginge es um sein Leben.
    „Pass auf!“ Zu spät. Der Flüchtende hatte einen am Boden liegenden Stein übersehen und stürzte. Im Fallen versuchte er noch Halt zu finden und griff nach dem erstbesten, das ihm in die Finger kam. Ein kleines Stück Fels, das aus der ansonsten sehr glatten Wand hervorstand.
     
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  3. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 22
    Nichts, nicht einmal der Schmerz seines aufgeschlagenen Knies konnte Edward aufhalten. Er kam wieder auf die Beine und rannte blindlings weiter.
    Diesmal bekam Joe ihn aber an seinem Leinenhemd zu fassen und ließ nicht mehr los.
    „Jetzt beruhige dich!“, sagte er streng und schien damit irgendwie zu seinem Begleiter durchzudringen. Noch völlig verwirrt stand dieser da. Hin- und hergerissen, ob er nun doch weiterflüchten oder bei seinem Captain bleiben sollte, nahm dieser ihm die Entscheidung ab, indem er ihn noch fester packte. „Es ist alles in Ordnung. Wir sind in Sicherheit!“ Dies wiederholte er immer wieder und sah Edward dabei eindringlich an.
    Schließlich drang er tatsächlich zu seinem Kameraden durch, so dass dieser ihn endlich verstand.
    Schweigend konnte er nur nicken und als dann auch noch Henrys amüsiertes Gelächter erklang, ließ er sich verlegen auf den Boden sinken. “Es tut mir Leid. Ich bin einfach in Panik geraten. Ihr wisst, dass ich niemals Angst habe, aber diesmal…“
    „Ich weiß.“, unterbrach Joe ihn. Und als Henry zu einer neckenden Antwort ansetzen wollte, fuhr er zu diesem herum. „Das kann jedem von uns einmal passieren. Niemand wird je von diesem Vorfall erfahren. Nicht wahr, Henry!?“
    „Aye Männer, ihr habt mein Wort. Obwohl es die anderen sicher brennend interessieren würde, wie heldenhaft Ed alle Situationen gemeistert hat.“ Noch einmal sah er grinsend zu Edward hinüber, um dann in ernstem Ton hinzuzufügen: „Mein Mund wird verschlossen sein. Wir alle zusammen haben eine große Aufgabe vor uns. Da sollte sich einer auf den anderen verlassen können. Nur so können wir es schaffen. Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Und ich hoffe doch sehr, dass ich, wenn es einmal soweit ist, auch auf euch zählen kann“
    Nur selten hatte Joe so ernste Worte von Henry gehört. Aufmunternd schlug er ihm auf die Schulter. „Du hast mein Wort als dein Captain und dein Freund. Du wirst immer auf mich zählen können, egal was geschieht.“
    Nun hatte sich auch Edward wieder erhoben und kam mit schmerzverzerrtem Gesicht zu ihnen herüber. „Auf mich könnt ihr auch immer zählen, Aye!“
    Und so standen die drei inmitten dieser tiefen Höhle und erneuerten ihren Schwur, der sie fortan noch enger aneinander binden sollte. Egal, was die Zukunft auch für sie bereithielt, sie würden bis zur letzten Sekunde nicht von der Seite der anderen weichen.
    Um seine Rührung vor den anderen zu verbergen, ging Joe auf die Knie und begann betont langsam die Steine und Federn einzusammeln und zurück in das Kästchen zu legen. Wohin hatte er seine Männer nur geführt und wohin würde er sie noch führen müssen!? Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass sie ihm immer noch so viel Vertrauen schenkten.
    Er brauchte Zeit, um nachzudenken. Vielleicht kam ihm ja noch eine rettende Idee.
    Seine beiden Begleiter schienen dies zu spüren und zogen sich in den hinteren Teil der Höhle zurück. Sie kannten ihren Captain nur zu gut und wussten dass er jetzt erst einmal seine Ruhe brauchte. Also sahen sie sich, soweit es ging, weiter um.
    Ein leises plätscherndes Geräusch in der Finsternis erregte ihre Aufmerksamkeit und ließ sie angestrengt lauschen.
    „Joe, schnell komm her! Hier ist etwas.“ Aufgeregt wedelte Henry mit den Armen und zeigte in den dunklen hinteren Teil der Höhle.
    Dieser war schon aufgesprungen und kam zu ihnen, den magischen Stein fest in der Hand. Jetzt konnte auch er es hören und schnell rieb er den Kristall in seinen Händen, um diesen zum Leuchten zu bringen.
    „Ich versteh das nicht. Was ist das? In dieser Ecke haben wir doch schon gesucht und nichts entdeckt.“, murmelte Edward vor sich hin.
    „Stimmt!“, antwortete Henry grinsend. „Nur hatten ein paar kleine Fledermäuse etwas dagegen, dass ihr zu weit vordringt.“
    Schaudernd trat Edward sofort einen Schritt zurück und ließ seinen Kameraden nur zu gern den Vortritt, die sich langsam vorwärts bewegten, direkt auf das plätschernde Geräusch zu.
    Nachdem das warme Licht des Kristalls auch die letzte Ecke erreicht hatte, konnten die Männer endlich dessen Ursprung erkennen.
    Aus einem kleinen Spalt im Gestein rann ein kleines Rinnsal klaren Wasser und bahnte sich seinen Weg in Richtung Boden. Erst jetzt bemerkten die drei, dass sie mittlerweile knöcheltief im Nassen standen.
    „Zum Henker! Joe, was hat das denn jetzt schon wieder zu bedeuten? Das kann doch noch nicht lange da sein. Verdammt, wo kommt das so plötzlich her?“
    Ähnliche Gedanken gingen auch Joe gerade durch den Kopf.
    Wo kam dieses Wasser plötzlich her? Es konnte noch nicht sehr lange fließen, denn sonst hätte es schon längst die komplette Höhle füllen müssen. Irgendetwas oder irgendjemand musste es aus dem Fels befreit haben.
     
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  4. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 23
    Langsam wichen die Männer vor dem stetig steigenden Wasser zurück. Mittlerweile war der hintere Teil der Höhle damit überflutet und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es sich auch seinen Weg in den etwas höher gelegenen Teil der Grotte bahnen würde.
    Intuitiv ging Joe zu der Stelle zurück, an der Edward in seiner Panik gestürzt war und besah sich die Felswand etwas genauer.
    Tatsächlich! Es war genau, wie er vermutet hatte. Das kleine Stück Fels an dem Edward im Fallen versucht hatte Halt zu finden, saß locker in der Wand und ließ sich vor und zurück bewegen. Schob man es zurück, schien das Plätschern nachzulassen. Zog man es weiter heraus, ergoss sich das Wasser umso schneller in die Höhle.
    Schnell brachte Joe alles in seine ursprüngliche Ausgangsposition und der Wasserfluss versiegte sofort.
    Henry und Edward standen stumm daneben und blickten ratlos zu ihrem Captain.
    Was hatte dies jetzt wieder zu bedeuten? Wozu war ein solcher Automatismus so tief unter der Erde gut?
    Joe spürte die unausgesprochenen Fragen, doch eine Antwort hatte auch er nicht. Er brauchte Zeit, um nachzudenken. Zeit, die sie nicht hatten, galt es doch jetzt schnell einen Ausweg zu finden und zu den anderen zurückzukehren.
    Eine wahrhaft schwierige Aufgabe wartete auf sie und er wollte und konnte nicht akzeptieren, dass jetzt schon alles zu Ende sein sollte. Es hatte doch noch gar nicht begonnen.
    Völlig niedergeschlagen ließ Joe sich auf das kleine Floss sinken und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Doch so sehr er sich auch versuchte, zu konzentrieren, es wollte ihm nicht gelingen.
    Wieder einmal nahm er den seltsamen Kristall zur Hand und besah ihn sich genauer. Je länger er auf den Stein schaute, umso mehr wurde er von ihm angezogen. Schon bald war es Joe unmöglich, den Blick davon loszureißen.
    Etwas Seltsames ging mit ihm vor. Die vielen, verworrenen Gedanken, die bis eben noch in seinem Kopf schwirrten und es ihm unmöglich gemacht hatten, eine klare Entscheidung zu treffen, waren verschwunden.
    Es schien, als wäre sein Kopf vollkommen leer von all dem Guten und gleichwohl dem Bösen, welches er ansonsten mit sich herumtrug. Die Anwesenheit seiner beiden Kameraden nahm er dabei schon gar nicht mehr wahr.
    Das Innere des Steines schien zum Leben zu erwachen und gleichwohl alles auszublenden. Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft traten in den Hintergrund. All dies schien nur noch nebensächlich, einzig allein der Kristall schien noch wichtig.
    In Joes Ohren begann es zu rauschen, der Kopf empfand einen hämmernden Schmerz und mit starren weitaufgerissenen Augen, nahm er die Botschaft, die der Stein ihm zu überbringen hatte, für alle Zeiten in sich auf.
    Joe schrie gequält auf, als die Vision kam. Tränen traten ihm in die Augen und er begann am ganzen Körper zu zittern. Dennoch konnte er den Blick nicht abwenden. Mit Bestürzung sah er all die schrecklichen Bilder, die sich ihm bis in alle Ewigkeit ins Gedächtnis brannten.
    Noch lange, nachdem es vorbei war, saß er nur da, starrte auf den Stein und ließ den Atem durch die zusammengebissenen Zähne entweichen.
    Wie aus weiter Ferne konnte er die besorgten Rufe seiner Begleiter hören, doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis er zurück in die Gegenwart fand.
    „Was… Was ist passiert?“, wollte er nun wissen, immer noch benommen von dem soeben erlebten.
    „Zum Henker, das solltest du besser uns erklären!“ Edward kniete vor ihm und sah ihn eindringlich an.
    Auch Henry kniete sich jetzt nieder. „Joe, du warst völlig weggetreten und hast unverständliche Laute von dir gegeben. Es war gespenstisch. Fast so, als wärst du…“
    „Fast so, als wäre ich was?“
    Henry schaute betreten drein. „Es war fast so, als wärst du wahnsinnig geworden und nicht mehr von dieser Welt. Captain, was ist passiert?“
    „Ich weiß es nicht genau. Da waren Bilder, von denen ich wünschte, ich hätte sie nie gesehen und die zu schrecklich waren, als dass ich jetzt darüber reden könnte. Es war wohl eine Vision, die der Kristall mir geschickt hat.“
    „Eine Vision? Warum dir und warum jetzt?“ Ungläubig sah Edward ihn an und auch Henry schien noch nicht zu erfassen, was er da gerade hörte.
    „ Ich weiß nicht warum gerade ich diese Dinge sehen musste und auch nicht warum es gerade jetzt passierte. Ihr könnt mir jedoch glauben, dass ich sehr gern darauf verzichtet hätte. Doch eins weiß ich jetzt ganz genau, Männer! Ich kenne jetzt den einzigen Weg heraus aus dieser Höhle und ich bringe euch zurück auf die Erde und auf die `Black Mary` zu unseren Kameraden!“
    Voll freudiger Erwartung sahen seine beiden Begleiter ihn an, gespannt darauf, was Joe ihnen jetzt für einen Plan unterbreiten würde.
     
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  5. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 24
    Noch etwas benommen von dem soeben erlebten, erhob sich Joe und ging langsam hinüber zu dem losen Stück Gestein in der Felswand.
    „Hört mir zu, Männer! Es gibt für uns nur eine Möglichkeit, hier herauszukommen. Dazu brauchen wir das Wasser. Sehr viel Wasser!“
    Edward konnte es nicht glauben. „Was soll das heißen? Willst du, dass wir hier jämmerliche Ratten ersäufen? Das kann doch wohl nicht dein Plan sein!“
    Henry grinste und sah hinüber zu dem Floss, dass immer noch in der Mitte der Höhle lag. Er schien verstanden zu haben, was Joe vorhatte. „Mmmh , es könnte funktionieren.“, murmelte er leise vor sich hin.
    Edward hatte noch immer nicht verstanden. „Was? Würdet ihr mir vielleicht einmal sagen, was ihr vorhabt. Was könnte funktionieren?“
    „Es ist ganz einfach.“, antwortete Henry, immer noch grinsend. „Wir setzen die Höhle einfach unter Wasser.“
    Edward konnte es nicht fassen. „Das ist doch nur ein Scherz. Das kann doch nur ein Scherz sein! Joe, sag mir, dass du einen anderen Plan hast!“
    Dieser schüttelte jedoch nur den Kopf, um dann zu antworten. „Hör zu, Ed! Es gibt für uns nur diesen einen Ausweg. Wir müssen die Höhle fluten und darauf hoffen, dass das Wasser hoch genug steigt, um uns mitsamt dem Floss nach oben zu tragen.“
    „Glaubst du wirklich, das funktioniert?“
    Die Antwort kam prompt. „Ich weiß es!“
    Ungläubig humpelte Edward zurück zu dem kleinen Floss, besah es sich und den rettenden Ausgang in schwindelerregender Höhe abwechselnd. „Was aber ist, wenn es nicht klappt? Was ist, wenn wir auf halber Höhe festsitzen?“
    Joe schien diese Zweifel nicht zu haben. „Das wird nicht passieren! Wir werden es schaffen. Doch wenn wir hier unten sitzen bleiben und nichts unternehmen, sind wir verloren.“
    „Ich verstehe nicht, wie du dir da so sicher sein kannst, aber wie es aussieht, haben wir keine andere Wahl. Also lasst es uns versuchen!“ Edward war zwar immer noch nicht ganz überzeugt, er gab sich jedoch geschlagen.
    Schweigend begannen die Männer, alles vorzubereiten. Es bedurfte keine Worte, Jeder wusste, worauf es ankam. Und tief im Innern bekam jeder von ihnen eine Ahnung davon, was hier für sie auf dem Spiel stand.
    Nachdem sie die besten Positionen auf dem Floss gefunden hatten, nahmen Edward und Henry ihren Platz ein.
    Joe indessen ging zurück zu dem kleinen Stückchen Gestein, welches doch so unscheinbar erschien und doch etwas so großes auslösen konnte.
    Noch einmal schätzte er in Gedanken den Weg ab, den es galt zurückzulegen, bevor das Wasser ihn erreichen würde.
    Noch ein kurzer Blick zu seinen Kameraden und dann ging alles sehr schnell.
    Vorsichtig bewegte Joe den Stein ein kleines Stück und schon hörte man im Hintergrund wieder das leise Plätschern des Wassers. Wieder bewegte er den Stein ein Stückchen weiter und sogleich wurde aus dem friedlichen Plätschern ein bedrohliches Rauschen.
    Langsam und unaufhaltsam drang das Wasser vor in den vorderen Teil der Höhle.
    Mit einem letzten festen Griff riss Joe das Felsstückchen komplett aus der dafür vorgesehenen Öffnung und begann im selben Moment auch schon an zu rennen, um das rettende Floss noch rechtzeitig zu erreichen.
    Ein finsteres Grollen war zu hören und das Wasser brach sich endgültig mit aller Macht seinen Weg.
    Joe erkannte es an den erschrockenen Blicken seiner Freunde. Er würde es nicht schaffen! Ein kurzer Blick zurück verschaffte ihm die Gewissheit. Es blieb ihm keine Zeit mehr für auch nur einen klaren Gedanken, da hatten ihn die Wassermassen auch schon erfasst.
    Mit einem gewaltigen Stoß wurde er auch schon mitgerissen. Schon schlugen die Wogen über ihm zusammen.
    Verzweifelt begann er wild mit den Armen zu rudern.
    Luft! Seine Lungen schmerzten und schrien nach Sauerstoff. Es musste ihm gelingen, an die Oberfläche zu gelangen, bevor ihn die Kraft verließ.
    Dann endlich schien es ihm zu gelingen. Hustend und keuchend tat er den ersten tiefen Atemzug.
    Nur ein kleines Stück von ihm entfernt, hörte er auch schon seine Kameraden nach ihm schreien, die verzweifelt versuchten, ihn zu erreichen, aber doch nur mit ihrem Floss hilflos hin und her geworfen wurden. Mit letzter Kraft versuchte Joe zu ihnen zu gelangen, doch immer wenn es schien, als hätte er sein Ziel erreicht, wurde er auch schon von der wild tobenden Macht des Wassers zurück geworfen.
    Und schon wieder kam eine gewaltige Woge auf ihn zu, der er nichts mehr entgegen zu setzen hatte.
    Hilflos musste er sich ergeben.
    Das letzte, das er spürte, war dieser dumpfe Schmerz am Hinterkopf, bevor es dunkel um ihn wurde und er langsam in den Wassermassen versank.
    Edward und Henry hingegen blieb nur, tatenlos zuzusehen, während sie hinauf getragen wurden in die rettende Freiheit.
     
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  6. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 25
    Immer tiefer und tiefer sank Joe hinab. Als er nun auf dem Boden angekommen war, erwachte er letztendlich aus seiner Ohnmacht. So sehr er aber auch versuchte, sich vom Boden zu lösen und zurück zur Oberfläche zu schwimmen, es wollte ihm nicht gelingen. Seine Glieder waren steif und zu keiner Bewegung fähig, die Wunde an seinem Hinterkopf verursachte starken Schmerz und ein leicht benommenes Gefühl.
    Erst jetzt bemerkte Joe, dass ihm das Atmen keine Schwierigkeiten mehr bereitete. Ganz ohne Anstrengung und mit völliger Selbstverständlichkeit strömte Sauerstoff in seine Lungen, obwohl er sich doch nach wie vor tief unter Wasser befand.
    Fast hatte es den Anschein, als sei eine unsichtbare Luftblase über ihm, die vor dem Nass schützte.
    So war es also, das Ende! So einfach hatte er es sich nicht vorgestellt.
    Kein Schmerz, keine Qual!? All das, was er erwartet hatte, blieb aus. Doch war es wirklich so simpel?
    Joes Gedanken schienen ihre eigenen Wege zu gehen. Sie unternahmen noch einmal eine Reise durch sein kurzes und auch sehr hartes Leben.
    Vieles hatte er erlebt und dabei sehr viel Schreckliches gesehen und doch hatte er dieses Leben geliebt.
    Es gab nichts, was er bereute. Nun, vielleicht doch eine Sache!
    Er hatte seine Männer im Stich gelassen, würde sie nun nicht mehr in eine glückliche Zukunft führen können.
    Die Crew hatte ihm vertraut, hatte seinen Versprechungen geglaubt und er hatte sie verlassen.
    Nein! Joe hatte einen Schwur geleistet und durfte ihn jetzt nicht brechen. Er konnte noch nicht gehen.
    Jetzt da so langsam die Erkenntnis in ihm reifte, dass er noch nicht bereit war dieses Leben aufzugeben, schien sich etwas in seinem Bewusstsein zu regen. Er wollte leben!
    Eine leise Stimme begann in seinem Kopf zu vibrieren, erst kaum wahrnehmbar, dann immer lauter und eindringlicher.

    „Fünf Elemente sind Teil dieser Welt.
    Nur wer sie achtet und das Gleichgewicht erhält,
    wem es gelingt, ohne Angst zu vertrauen,
    der kann auf ihre Hilfe bauen!
    Um fünf Schlüssel zu finden an geheimen Ort,
    setze deine Reise fort.
    Drum steige nun zum Licht hinauf
    und lass der Zukunft ihren Lauf!“​

    Immer und immer wieder hallte es durch Joes Kopf. „…. und lass der Zukunft ihren Lauf!“
    Er wusste nicht, was diese Botschaft ihm sagen sollte. Bald jedoch, in naher Zukunft, würde er verstehen. Denn noch konnte er nicht einmal im Geringsten erahnen, was ihn und seine Männer noch erwartete.
    Von nun an ging alles sehr schnell. Waren Joes Glieder eben noch steif und unbeweglich, so fühlte er sich plötzlich voller neuer Energie leicht wie eine Feder.
    Weit über sich sah er die Sonnenstrahlen, die sich in der Wasseroberfläche brachen und diese in den herrlichsten Farben leuchten ließen. Das Licht! Ja, er wollte es erreichen und er würde es schaffen.
    Der Weg nach oben schien unendlich lang, zu weit, um ihn bewältigen zu können.
    Doch wie hatte die Stimme gemeint? Ohne Angst vertrauen!? Das würde er!
    Ohne noch lange nachzudenken, begann Joe, aufzutauchen, ohne auch nur die geringsten Zweifel zu haben. Er würde es schaffen, da war er sicher. Auch diese Prüfung würde er bestehen, denn eine weitaus größere wartete noch auf ihn. Dessen war er sich gewiss.
    Weiter und weiter ging es hinauf und doch hatte es den Anschein, als wäre die rettende Wasseroberfläche noch immer so weit entfernt wie zu Anfang.
    Doch seltsamerweise verspürte Joe keine Panik, sondern zeigte das eingeforderte Vertrauen. Und er wurde nicht enttäuscht.
    Von einer unsichtbaren Macht getragen, trieb er weiter aufwärts.
    Das klare Wasser erlaubte eine gute Sicht auf die umliegenden Höhlenwände. Diese waren verziert mit den seltsamsten Zeichnungen, wie von Menschenhand geschaffen. Sicher schon viele, viele hundert Jahre alt vermittelten sie eine Botschaft aus einer längst vergangenen Zeit, die jedoch bis in alle Ewigkeit ihre Wichtigkeit nicht verlieren würde. Und Joe verstand sie bei näherem Hinsehen sofort.
    Jedes einzelne Zeichen brannte sich unauslöschlich in sein Gedächtnis und er würde alles tun, um diese Botschaft in die Zukunft zu tragen.
    Endlich hatte Joe seine Bestimmung gefunden. Er hatte schon viel erlebt und sicher auch schon einige große Taten vollbracht, doch all die Jahre hatte er sich gefragt, ob das tatsächlich schon alles war, was das Leben für ihn bereithielt. Nun kannte er die Antwort und konnte es nicht mehr erwarten, endlich zu seiner Mission aufbrechen zu können.
    Um ja keine Zeit mehr zu verlieren, begann er schnell, die letzten Meter bis zu der verlockend glitzernden Wasseroberfläche zurückzulegen, wo er dann endlich hustend und keuchend vor den verdutzten Augen seiner beiden Kameraden auftauchte.
     
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  7. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 26
    Erschöpft und noch völlig verwirrt saßen Edward und Henry etwas abseits von dem tiefen mit Wasser gefüllten Erdloch und konnten das soeben geschehene noch immer nicht fassen.
    Fassungslos starrten beide auf die brodelnden Wassermassen, die jedoch gerade so hoch gestiegen waren, um das Floss bis an den Rand der Höhle zu tragen.
    Sie waren also tatsächlich in die rettende Freiheit gelangt, so wie Joe es ihnen vorausgesagt hatte. Dass sie dabei ihren Retter und Freund dabei verloren hatten, trübte ihre Freude darüber jedoch enorm.
    Wieder einmal fuhr sich Edward durch die ohnehin schon zerzausten Haare. „Verdammt Henry! Was soll jetzt werden? Aber ich schwöre dir, sollte mir diese Hexe noch einmal begegnen, wird sie es bereuen, uns so reingelegt zu haben. Bei meiner Piratenehre! Ich werde ihr….“
    „Halt den Mund, Edward! Ich glaube nicht, dass sie uns hereingelegt hat. Joe war überzeugt davon, dass sie die Wahrheit sagt. Und vergiss nicht seine Vision. Er hat alles gesehen und wusste, was zu tun war.“ Nachdenklich rieb sich Henry das unrasierte Kinn. „Weißt du, da gibt es eine Sache, die mir einfach nicht aus dem Kopf gehen will und die ich nicht verstehe.“
    Edward sah aufmerksam herüber. Ein Zeichen, dass er neugierig darauf wartete, dass Henry weiter sprach. Wieder rieb sich dieser das Kinn, während er redete. „ Ich überlege schon die ganze Zeit. Wenn Joe unsere Zukunft voraussehen konnte, ob er dann auch sehen konnte, dass sein Weg hier zu Ende sein würde. Aber wenn er dies wirklich sehen konnte, warum hat er uns dann nicht ein Sterbenswörtchen darüber gesagt? Und warum hat er das Kästchen dann bei sich behalten und nicht an uns weitergegeben?“
    Edward war fassungslos. „Meinst du wirklich, Joe wusste, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat? Das würde ja heißen, er hat sich geopfert, um uns zu retten.“ Wütend sprang er auf und während er aufgeregt hin und her lief, schimpfte er lauthals vor sich hin. „Dieser verrückte Kerl! Er muss es gewusst haben und hat sein Leben gegeben, um unseres zu retten. Verdammt! Auch wenn er unser Captain war, er hatte einfach nicht das Recht dazu, diese Entscheidung allein zu treffen. Wir waren doch auch Freunde. Er hätte es uns sagen müssen. Ich jedenfalls hätte es nicht zugelassen, dass Joes Leben so endet. Ich hätte schon dafür gesorgt, dass er auf das Floss geht und wenn ich ihn hätte festbinden müssen.“
    „Ja meinst du denn, ich hätte den Captain einfach so da unten gelassen, wenn ich gewusst hätte, was kommt!?“ Henry war mittlerweile auch aufgesprungen und stemmte jetzt verärgert die Hände in die Hüften. „ Ich hätte Joe ganz sicher nicht im Stich gelassen, ich wäre bei ihm geblieben. Was nutzt es uns denn jetzt noch, dass wir wieder in Freiheit sind!? Ohne Joe ist unsere Mission schon jetzt gescheitert. Verdammt Ed, für uns wäre es sicher besser gewesen, wenn wir mit Joe zusammen in den Fluten versunken wären, Aye!“
    Nachdenklich traten beide an den Rand des Wassers. Was sollte jetzt werden?
    Ganz plötzlich, fast unmerklich jedoch kam Leben in die bis eben noch ganz stille Oberfläche und ehe die beiden überhaupt begriffen, was geschah, tauchte mit hochrotem Gesicht und nach Luft schnappend ihr verloren geglaubter Captain vor ihnen auf.
    „Captain! Wie ist das möglich?“ Edward konnte es nicht fassen und auch Henry stammelte nur vor Schreck ganz bleich. „ Joe, wir dachten… wir haben geglaubt, dass du…“
    „Wenn ihr dann mal so weit seid, könntet ihr mich hier vielleicht rausholen.“ Joe hatte sich inzwischen an den Rand begeben und wartete ungeduldig auf eine helfende Hand.
    Endlich hatten die beiden sich so weit gefangen, um ihm an Land zu helfen.
    Und nun saßen sie schweigend auf dem kalten Felsen und jeder wartete darauf, dass einer der anderen die ersten Worte sprach.
    Henry war der erste, der die Stille nicht länger ertrug, zu viele Fragen brannten ihm auf der Seele. „Captain, meinst du nicht auch, dass es jetzt an der Zeit wäre, uns endlich die ganze Wahrheit sagen!? Was ist geschehen? Willst du uns nicht endlich in das Geheimnis deiner Vision einweihen und uns erzählen, was du gesehen hast? Ich finde, wir haben ein Recht darauf, zu wissen, was uns noch alles bevorsteht.“
    Eine ganze Weile deutete nichts darauf hin, dass Joe beabsichtigte, darauf zu antworten, ja ob er überhaupt Henry`s Aufforderung verstanden hatte. Dann endlich sah er seine beiden Kameraden fast flehend an, holte noch einmal tief Luft und begann zu sprechen. „Ich kann nicht…es gibt…“
    Joe schüttelte verwirrt den Kopf, während er um Worte rang. Er holte noch einmal tief Luft, stieß sie wieder aus und starrte auf seine Hände.
    Henry und Edward rückten noch näher heran, bis sich ihre Knie berührten.
    Joe sah kurz auf und knirschte mit den Zähnen. „Ich kann mich an alles erinnern, was ich gesehen habe, aber ich…“ Ein Ausdruck ungeheurer Konzentration legte sich auf seine Gesichtszüge. Er schlug mit der Faust in die offene Hand. „Ich kann nicht darüber reden. Es ist, als sei ich verflucht! Jede Kleinigkeit hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt. Sobald ich jedoch den Mund öffne und darüber reden will, ist mein Kopf leer. Es scheint, als sollte niemand außer mir etwas darüber erfahren. Es tut mir Leid, Freunde, ich kann es euch nicht sagen. Die Zukunft zu kennen, ist eine Last, die ich zu gern teilen würde. Es scheint jedoch, als wäre es mein Schicksal, sie allein zu tragen, auch wenn ich darunter fast zerbreche.“
    Henry und Edward schienen zu verstehen und taten es ihm ohne große Worte kund, indem sie ihm schweigend die Hände auf die Schulter legten.
    Dankbar, dass ihn die beiden nun nicht mehr drängen würden, nickte Joe ihnen zu. Es bedurfte keiner weiteren Worte. Die beiden Männer würden auch weiterhin an seiner Seite bleiben und alles in ihren Kräften stehende tun, um ihm diese schwere Bürde so leicht wie möglich erscheinen zu lassen.
    Jetzt schon viel optimistischer sprang Joe auf. „Also Männer! Wir haben einen weiten Weg vor uns. Lasst uns aufbrechen und den Rest der Crew finden!“
    Ohne sich noch einmal um zu sehen, begann er den beschwerlichen Abstieg hinunter zum Strand.
    Das Abenteuer konnte beginnen! Oder waren sie vielleicht schon mittendrin?
     
  8. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 27
    Donnernd prasselte der Steinhagel in die Tiefe.
    Den drei Freunden war es gerade noch im letzten Moment gelungen, unter einem kleinem Vorsprung Schutz zu finden.
    Der Abstieg erwies sich als sehr viel schwieriger, als die Männer geahnt hatten.
    Immer wieder waren sie gezwungen, eine Pause einzulegen. Zum einen, um neue Kraft zu sammeln, für den beschwerlichen Weg, zum anderen, um die nächste Etappe festzulegen, was bei diesem unwegsamen Gelände sehr schwierig war.
    Als besonders schwierig erwies sich jedoch das lose Geröll, das ihren Weg nach unten überzog. Schon die kleinste Bewegung genügte, um es ins Rutschen zu bringen und nur ein falscher Schritt barg die Gefahr, in die Tiefe zu stürzen.
    So saßen sie wieder einmal zum Nichtstun verdammt zusammengedrängt unter dem kleinen Vorsprung und hofften auf ein baldiges Nachlassen des steinernen Regens, der noch immer mit großem Poltern seinen Weg in die Tiefe nahm.
    Ungeduldig begann Edward, leise vor sich hin zu fluchen, während Henry pausenlos vor sich hin plapperte. Er konnte es gar nicht erwarten, zu seinen Kameraden zurückzukehren und deren erstaunte Gesichter zu sehen.
    Joe indessen schien von all dem nichts zu registrieren. Völlig entspannt und ruhig saß er einfach nur da und starrte nachdenklich hinauf zum Himmel, wo ein riesiger Falke einsam seine Kreise zog.
    Erst ein Stoß in von Henry die Seite schien ihn in die Realität zurückzuholen. Verwirrt sah er sich um. Das Poltern hatte nun aufgehört und seine beiden Kameraden waren längst aufgestanden, um weiterzugehen.
    Edward, der schon einige Schritte vorausgeeilt war, drehte sich nun ungeduldig um. „Captain, was ist los? Wir müssen weiter und du träumst. Wir sollten bei unseren Männern sein, bevor schwarze Hexe
    Wind davon bekommt, was wir vorhaben!“
    „Das hat sie bereits. Sie lässt uns schon seit Tagen nicht mehr aus den Augen und ist über jeden unserer Schritte im Bilde.“
    Erstaunt sah Henry sich in alle Richtungen um, konnte jedoch nichts Auffälliges entdecken. „Wie kommst du darauf? Das hätten wir doch bemerken müssen, wenn uns jemand folgt.“
    Joe zeigte zum Himmel, wo noch immer der Falke kreiste. „Seht ihr den Vogel? Er ist schon seit Tagen in unserer Nähe und behält uns im Blick.“
    Erstaunt sah der Bootsmann abwechselnd in Richtung Wolken, dann wieder zu seinem Captain. „Glaubst du wirklich, das sind Phylixas Augen?“
    „Da bin ich mir sogar ziemlich sicher.“ Joe sah noch einmal nachdenklich hinauf, um sich dann wieder dem Weg zuzuwenden.
    „Zum Henker, dann lasst uns das Vieh darunter holen, sobald es nah genug ist! Ich dreh dem Vogel den Hals um! “ Edward hatte schon seine Muskete gezogen und wedelte aufgeregt mit den Armen.
    Joe jedoch winkte ab. „Was soll das bringen. Phylixa würde sicher einen neuen Weg finden, uns zu überwachen. Wer weiß schon, was sie sich als nächstes einfallen lässt. Nein, lasst den Vogel nur spähen! Jetzt wissen wir zumindest, womit wir es zu tun haben. Solange wir uns unwissend geben, fühlt sich die alte Hexe sicher und lässt uns in Ruhe.“
    Damit drehte er sich um und begann ohne weitere Erklärungen den weiteren Abstieg und seinen Freunden blieb nur, ihm zu folgen.
    Es lag noch ein beschwerlicher Weg vor ihnen, doch in einiger Entfernung sahen sie auch schon die „Black Mary“ träge auf den Wellen schaukeln. Ihre Kameraden waren also nicht weitergesegelt, sondern noch geblieben, um abzuwarten.
    Insgeheim hatten sie alle drei schon an die Möglichkeit gedacht, plötzlich eine leere Bucht vorzufinden, doch nicht gewagt, es laut auszusprechen, wussten sie doch, dass ihre Mission ohne Schiff und treuergebene Mannschaft von vornherein zu Scheitern verurteilt war.
    Umso größer war jetzt natürlich die Freude, bald schon wieder an Deck des geliebten Schiffes im Kreise der vertrauten Gesichter zu sein.
    Die letzten Meter des gefährlichen Abstiegs nahmen die drei Gefährten mit neuerwachter Kraft in Angriff, bis sie endlich den weichen Sand unter ihren Füssen spürten.
    Es war geschafft und jetzt gab es auch kein Halten mehr.
    Übermütig, wie kleine Kinder, liefen sie johlend und laut rufend über den Strand aufs Wasser zu, um sich dann hineinzustürzen.
    Die Crew auf der „Black Mary“ traute ihren Augen kaum, als man die drei bemerkte und noch bevor jemand dazu kam, ein Boot zu Wasser zu lassen, blieb den Piraten nur noch, drei triefende, sichtlich geschwächte und doch überglückliche Männer an Bord zu holen.
    Und über all dem Geschehen zog ein riesiger Falke einsam seine Kreise.
     
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  9. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 28
    Seit dem plötzlichen Verschwinden ihres Captains und seiner beiden Begleiter herrschte ein großes Durcheinander unter den Piraten. Sie alle glaubten die drei schon verloren und hatten sich innerhalb der letzten Stunden mit dem Gedanken anfreunden müssen, fortan ohne sie auskommen zu müssen.
    Dazu jedoch, einen neuen Captain zu wählen, hatten die Männer sich noch nicht durchringen können, obwohl sie doch alle wussten, dass dieses dringend notwendig war. Jedes Schiff brauchte einen Verantwortlichen, jeder Pirat einen Anführer, der die Mannschaft im Griff hatte und es verstand, Entscheidungen zu treffen.
    Ein geeigneter Kandidat stand auch schon bereit.
    Juan wäre sicher bestens geeignet gewesen. Er war vor einigen Jahren auf recht abenteuerliche Weise zu den Männern auf der „Black Mary“ gestoßen. Als Deserteur der spanischen Flotte hatten sie ihn eines Tages in der letzten Minute aus der tosenden See gefischt, nachdem sein kleines Boot, mit dem er versucht hatte, seinen Verfolgern zu entkommen, in arge Seenot geraten war.
    Juan entstammte dem spanischen Adel. Seine Familie war jedoch völlig verarmt und ihm war keine andere Wahl geblieben, als auf einem Kriegsschiff seinen Dienst zu verrichten.
    Schon nach wenigen Tagen schon, war er sich sicher gewesen, dass dies niemals, das ihm zugedachte Leben sein könne, sehnte er sich doch nach wahren Abenteuern und den damit unweigerlich verbundenen Schätzen, die seiner Meinung nach, nur darauf warteten, von ihm erbeutet zu werden. Also hatte Juan die erste sich ihm bietende Gelegenheit genutzt, sich in der Nacht davon zu machen, hatte dabei aber, nur auf seine Flucht fixiert, ein nahendes Unwetter ignoriert.
    Hätte die Besatzung der „Black Mary“ nicht zufällig seinen Weg gekreuzt und sich seiner erbarmt, wäre dieses sicher seine letzte Fahrt gewesen.
    Hätten die Häscher, die ihm seit >Entdeckung seiner Flucht auf den Fersen waren nicht erwischt, wäre er sicher jämmerlich ertrunken.
    Umso dankbarer war er Joe und seinen Männern für die Rettung und er tat in der nächsten Zeit alles in seinen Kräften stehende, um sich dafür zu revanchieren.
    Einen positiven Nebeneffekt hatte es für Juan natürlich auch, gerade von einem Piratenschiff gerettet worden zu sein, befand er sich doch jetzt unter lauter verrückten Kerlen, die wie er darauf aus waren, für ein Abenteuer Kopf und Kragen zu riskieren und die denselben Traum von fetter Beute träumten.
    Fortan tat er alles, um zur Crew gehören zu dürfen und sich den nötigen Respekt der Männer zu erarbeiten.
    Der Spanier erlernte alle Tricks der Piraterie und war dank seiner schnellen Auffassungsgabe sehr schnell zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft und bald auch zu Joes rechter Hand geworden.
    Hinzu kam, dass Juan eine Verschlagenheit an den Tag legte, die so manchen Piraten ins Staunen versetzte.
    Aufgrund seiner ausgezeichneten Bildung und seinen Manieren, war es ihm schon mehr als einmal gelungen, den Feind zu täuschen. Selbst Männer von hohem Rang hatte er dabei schon aufs Kreuz gelegt, vermutete doch niemand, der ihn nicht kannte, in ihm einen gemeinen Piraten.
    Selbst nach so vielen Jahren auf der „Black Mary“ konnte er seine Herkunft einfach nicht verleugnen. Er legte immer noch besonderen Wert auf sein Äußeres und sprach und bewegte sich, wie ein Mann der höheren Schicht.
    Unter seinen Kameraden hatte ihm dies längst den Namen `Pfau` eingebracht, wenn auch keiner von ihnen den Mut besaß, ihn von Angesicht zu Angesicht so zu betiteln, wussten doch alle, dass er, wenn es drauf ankam, jedem Kampf gewachsen war.
    Juan wäre also ein mehr als würdiger Nachfolger für Joe gewesen und doch hatten die Männer sich noch nicht dazu durchringen können, darüber offiziell abzustimmen. Schließlich machte es alles so endgültig und niemand hatte bisher wirklich begreifen können, dass ihr Captain nie wieder einen Befehl geben und ihrer aller Freund niemals mehr einen Scherz machen würde.
    Es war einfach zu verwirrend. Die ganze Zeit hatten die Männer getrauert, jetzt waren Joe, Henry und Edward plötzlich wieder da. Das machte alle Fragen zur Nachfolge hinfällig, die Piraten konnten sich jedoch noch immer nicht erklären, wie dies möglich war.
    Ungeduldig erwarteten sie darauf, dass die drei beginnen würden, zu berichten, was ihnen in der Zwischenzeit widerfahren war.
    Die drei soeben wieder auferstandenen saßen müde und erschöpft auf den kahlen Planken an Deck, Wasser rann noch immer aus ihren zerzausten Haaren.
    Dann endlich, nachdem er einen kräftigen Schluck Rum zu sich genommen hatte, der seinem fröstelnden Körper endlich etwas Wärme schenkte, begann Joe zu berichten, erst stockend noch, dann immer aufgeregter.
    Und seine Männer saßen schweigend dicht um ihn gedrängt und versuchten das gehörte zu verstehen.
     
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  10. -kulli-

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    Teil 29
    „Männer ich schwöre euch, es war, als wären wir direkt in einem fürchterlichen Alptraum gelandet, schlimmer, als ihr jemals geträumt habt.“ Henry versuchte wild mit den Armen gestikulierend, seinen Kameraden das ganze Ausmaß des Erlebten zu verdeutlichen.
    Edward fluchte laut vor sich hin. „Diese verdammten Hexen. Als hätten wir nicht schon mit der einen unser Kreuz. Nein da muss noch eine zweite auftauchen und unser Leben noch mehr durcheinander bringen. Zum Henker mit denen! Bei Neptun schwöre ich euch, eines Tages werden sie dafür bezahlen müssen!“
    Joe hingegen saß völlig ruhig inmitten seiner Männer. Seine Gedanken schienen schon wieder einmal auf eine Reise in weite Ferne unterwegs zu sein. Er schien nichts von all der Aufregung um sich herum zu registrieren.
    Juan gelang es endlich die beiden Männer zu beruhigen. Nachdem sie sich endlich gesetzt hatten und zur Ruhe kamen, fragte er vorsichtig: „Wollt ihr uns nicht endlich berichten, was passiert ist? Wir brennen schon vor Neugierde.“
    Henry begann: „Oh, das ist eine lange Geschichte. Als wir…“
    Weiter kam er nicht mit seinem Bericht, denn Edward fiel ihm ins Wort. „Lass Joe berichten! Es ist seine Aufgabe, die Suche fortzuführen. Wir folgen fortan seiner Mission.“
    Nun waren aller Augen erwartungsvoll auf den Captain gerichtet.
    Juan rückte noch dichter heran und sah ihm direkt in die weit in die Ferne gerichteten Augen.
    Endlich schien Joe zurück im hier und jetzt. „Was ist? Was gibt es, Männer?“ Noch völlig verwirrt strich er sich durch das müde Gesicht und erwiderte Juans eindringlichen Blick.
    „Captain, willst du uns nicht berichten, was euch widerfahren ist? Erzähl uns, was du suchst!“
    Mit ruhiger Stimme begann Joe, das Erlebte in Worte zu fassen, doch auch jetzt war er nicht in der Lage, alles auszusprechen. Es schien Dinge zu geben, die nur für ihn bestimmt waren.
    Nachdem Joe seinen Bericht beendet hatte, herrschte um ihn herum eine bedrückende Stille. Die Männer schienen das gehörte erst einmal verarbeiten zu müssen.
    Wieder war es Juan, der das Wort ergriff. „Aha, so ist das also.“, sagte er und sah nachdenklich in die Sonne des Spätnachmittags. „Wohlan denn, wenn es so sein soll, ich bin dabei!“ An die Mannschaft gerichtet, meinte er:“ Was ist mit euch? Wollt ihr auch weiterhin eurem Captain folgen?“
    Es bedurfte keiner großen Worte. Stumm legten sich die Männer die Hände aufs Herz als Zeichen ihrer Ergebenheit.
    Dankbar und völlig sprachlos vor Rührung sah Joe jeden einzelnen von ihnen ins Gesicht und nickte kurz.
    Nach einer Weile dann erhob er sich langsam. „Entschuldigt mich, Männer. Ich brauche jetzt erst einmal frisches Wasser, neue Kleider und eine Mütze voll Schlaf.“
    Plötzlich kam Bewegung in die Mannschaft. Während Simon, der Bootsjunge rannte und frische Wasser in die Kabine des Captains brachte, begannen die restlichen Männer das Schiff zum Auslaufen vorzubereiten.
    Dankbar sah Joe noch einmal zu seiner Crew und wankte dann völlig übermüdet zu seiner Kabine.
    Bevor er jedoch die Tür hinter sich schloss, schien ihm doch noch etwas einzufallen.
    „Männer, haltet das Schiff in Richtung Süden, bis ich euch neue Anweisungen gebe.“ Und damit war er auch schon hinter der Tür verschwunden.
    Ein leises Raunen ging durch die Mannschaft, doch niemand würde die Weisung des Captains infrage stellen. Wenn Joe sagte Richtung Süden, dann war es halt so, egal wie rätselhaft es auch erschien.
    Schon bald waren alle Männer emsig in ihre Aufgaben vertieft und die „Black Mary“ verließ langsam die Bucht, während Joe endlich in seiner Koje lag und in einen unruhigen Schlaf verfiel.
     
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  11. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 30
    Joe hatte sich gereinigt, die Kleider gewechselt und seine Wunden versorgt. Jetzt lag er in seiner Koje, doch an einen erholsamen Schlaf war nicht zu denken.
    Mit aller Macht drängten sich Bilder seiner Vision in seine Träume und ließen ihn keine Ruhe finden.
    Immer und immer wieder zogen diese schrecklichen Bilder von einer Welt in Angst und Dunkelheit an ihm vorbei. Verbrannte Erde, unfruchtbare Felder, vergiftete Flüsse und die Menschen, die verdammt waren, in dieser Zeit zu leben. Dies war die vorherbestimmte Zukunft, wenn es nicht gelang, Phylixa aufzuhalten.


    Ein gequältes Stöhnen brachte Edward, der sich mittlerweile auch zur Ruhe gelegt hatte, auf die Beine.
    Joe rührte sich, begann zu schreien und um sich zu schlagen.
    Er eilte zu ihm und versuchte, den schlafenden festzuhalten. Es wollte jedoch nicht gelingen, ihn zu beruhigen.
    Henry tauchte auf, um zu helfen. Und so hielten sie die Arme, doch Joe schien in seinem Schmerz übermenschliche Kräfte zu besitzen.
    Seine Augen waren jetzt weit aufgerissen und darin stand ein wahnsinniger Ausdruck. Er war in seinem Traum gefangen.
    Plötzlich jedoch erschlaffte er, begann leise zu weinen und murmelte ununterbrochen: „Das werde ich nicht zulassen! Das darf nicht geschehen…“
    Langsam wurde seine Stimme leiser und er war wieder eingeschlafen.
    Edward sah entsetzt zu Henry hinüber und flüsterte: „Zum Henker! Was war das? Was hat er nur schreckliches sehen müssen?“
    Auch Henry war entsetzt. „Was immer es gewesen ist, es muss schrecklich sein, denn so habe ich den Captain noch nie erlebt. Wir sollten uns besser auch noch etwas ausruhen, ich habe nämlich die Befürchtung, dass auf uns noch viele schlaflose Nächte warten“
    Mit einem nachdenklichen Blick auf den schlafenden Joe wandte er sich seiner Koje zu. Nach einem letzten fragenden Blick tat Edward es ihm mit einem Schulterzucken gleich. Doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis er endlich vom Schlaf übermannt wurde, zu viele Fragen gingen ihm durch seinen Kopf.
    Und während die drei Kameraden sich von dem vergangenen Abenteuer erholten und neue Kräfte für bevorstehende Aufgaben sammelten, glitt die „Black Mary“ leicht durch die ruhige See. Wasser plätscherte leise gegen den Rumpf und die Männer hielten das Schiff auf Kurs Richtung Süden. Obwohl niemand verstehen konnte, was Joe in dieser gefährlichen Gegend zu finden hoffte, so hielt man sich doch eisern an den gegebenen Befehl. Der Captain würde schon seine Gründe haben, in eine Gegend zu segeln, um die ansonsten jeder einen großen Bogen machte, dem sein Leben lieb war. Eine Gegend, in der zerklüftete Inseln mit feuerspeienden Bergen, umringt von unruhigen Gewässer warteten.
    Jeder Seefahrer hielt sich besser von dort fern und wer es doch gewagt hatte, dorthin vorzudringen, war in sein Verderben gesegelt.
    Man erzählte sich unter den Piraten die schrecklichsten Geschichten von unter der Wasseroberfläche liegenden Klippen, scharf wie Haifischzähne, die schon so manchen Schiffsrumpf aufgeschlitzt hatten. Und sollte es doch gelingen, die gefährliche Passage heil zu überstehen, warteten kurz dahinter schon die gefährlichen Seeschlangen, so groß, dass es ihnen ein leichtes war, jedes Schiff doch noch in den Abgrund zu reißen.
    Diese gewaltigen Kreaturen hätten, so erzählte man sich, nur die eine Aufgabe, die größte der Inseln zu beschützen und niemandem zu gestatten, diese zu betreten.
    Leise diskutierten die Männer dies und übertrafen sich hierbei mit den schaurigsten Geschichten.
    Und doch zögerten sie keinen Moment, das Wagnis einzugehen.
    Niemand konnte sagen, was einen derartigen Schutz bedurfte und ob es sich tatsächlich alles so verhielt, denn all jene, die es gewagt hatten, das Geheimnis zu ergründen, waren nie zurückgekehrt, um zu berichten.
    Und so folgten die Männer mit ihrem Schiff weiterhin ihrem Leitstern und dank des günstigen Windes ging es rasch voran.
    Doch wie schon in den Tagen und Nächten zuvor, waren sie auch jetzt nicht allein. Von allen unbemerkt, schwebte hoch oben in der Dunkelheit ein riesiger Falke und folgte ihrer Bahn.
     
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  12. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 31
    Auch in den folgenden Tagen blieb der Vogel immer in der Nähe des Schiffes und weder Regen noch Sturm schienen ihn davon abzubringen, den Männern zu folgen. Er schien nichts von seiner dynamischen Kraft verloren zu haben und keine Ruhepause zu benötigen.
    Joe saß, so wie jeden Tag, in der Mittagssonne am Bug und sah nachdenklich hinauf, während seine Kameraden fragende Blicke austauschten. Was war nur los mit ihrem Captain?
    Schon seit ihrem Aufbruch verhielt er sich so seltsam. Tag für Tag saß er da und starrte in die Ferne. Das tägliche Geschehen an Bord schien ihn nicht im Geringsten zu interessieren. Immer wieder nahm er den magischen Kristall zur Hand und schien tief in dessen Inneres zu blicken. Was er dort jedoch erblicken konnte, blieb sein Geheimnis, egal wie oft seine Männer ihn danach auch fragten.
    So vergingen die Tage. Während die „Black Mary“ immer weiter Richtung Süden glitt, hing Joe seinen Gedanken nach und der Rest der Mannschaft verrichtete wild spekulierend seine Arbeit.
    Kaum senkte sich jedoch die Dunkelheit über das Meer und die Männer verschwanden in ihre Kojen, waren die wilden träume wieder da und Joe lag wild um sich schlagend und schweißgebadet unter seiner Decke.
    Dreizehn Tage, nachdem die „Black Mary“ in See gestochen war, änderte Edward ganz leicht den Kurs nach Südost und am nächsten Morgen war endlich Land in Sicht. Weit am Horizont tauchten die ersten der sagenwobenen Inseln auf.
    Nun schien auch Joe wieder ganz der Alte. Aufgeregt stand er auf der Kommandobrücke und gab Befehle. Nachdem alles zu seiner Zufriedenheit erledigt war, trat er zu Edward ans Steuer. „Ed lass uns erst einmal der Küste folgen und alles in Augenschein nehmen. Ich wüsste nämlich gerne genau, was uns erwartet.“
    „Aye Captain! Ich hoffe du weißt, was du tust.“ Schon hallte der Befehl über das Schiff.
    Und bald schon glitt das Schiff vorbei an kleinen trostlos daliegenden Inseln, auf deren zerklüfteten Terrain kein Leben zu sein schien. Über allem schwebte eine graue Wolke und in der Luft hing der Geruch verbrannter Erde. Den Ursprung entdeckten die Männer dann, als sie eine weitere kleine Klippe umfuhren.
    Eingebettet in einen Kreis vieler kleiner Inseln, erhob sich ein weiteres weitaus größeres Eiland, in dessen Zentrum sich ein riesiger Berg erhob, der bis in die Wolken zu reichen schien und der in regelmäßigen Abständen, glühende Gesteinsbrocken in den Himmel spie.
    Mittlerweile war Die Crew zu Joe getreten und sah fassungslos auf das Naturschauspiel.
    Entsetzt rieb Henry sich sein unrasiertes Kinn. „ Joe, bist du dir immer noch sicher, dass dies unser Ziel ist? Ich meine, das ist doch der pure Wahnsinn. Was erhoffst du dir davon?“
    Joe blieb lange eine Antwort schuldig, ehe er dann doch noch zu reden anhob. „Nun mein Freund, ich fürchte, uns bleibt keine andere Wahl. Irgendwo in all dem Feuer ist der erste Schlüssel verwahrt und unsere Aufgabe ist es, ihn zu finden.“
    Aufgeregt begannen die Männer wild durcheinander zu reden und jeder von ihnen tat kund, welche Geschichten, ihm zu Ohren gekommen waren.
    Joe ließ sie eine Zeit gewähren und hörte ihnen aufmerksam zu, bis er dann nach einer Weile das Wort an seine Crew richtete. „Also gut Männer, es steht euch frei, ob ihr mich begleiten wollt. Für mich steht jedoch fest, dass ich es versuchen werde. Niemand weiß, ob all diese Geschichten der Wahrheit entspringen ober ob doch alles nur Seemannsgarn ist. Also kann auch niemand sagen, was uns dort erwarten wird. Doch egal, ob Tatsache oder Märchen, es muss ein Körnchen Wahrheit in all diesen Geschichten sein. Seht euch diese Insel an und sagt mir jetzt: Wer ist bereit, mir in diese Hölle zu folgen?“
    Nach einer Weile gespenstischer Ruhe, gaben dann jedoch alle Piraten, wenn auch zögerlich, ihr Wort. Sie würden auch jetzt zu ihrem Captain stehen und an seiner Seite bleiben.
    Nachdem diese wichtige Entscheidung gefallen war, gab es für die Männer kein Zurück mehr.
    Die abendliche Dunkelheit brach herein und plötzlich aufkommender starker Wind ließ das Schiff auf dem Wasser tanzen, doch Edward hielt die „Black Mary“ weiter auf Kurs.
    Und so segelten sie bei hohem Wellengang weiter der gefährlichen Passage entgegen, bereit für ihr nächstes, vielleicht größtes Abenteuer.
     
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  13. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 32
    Inmitten einer pechschwarzen Nacht kämpfte die „Black Mary“ ächzend gegen Sturm, hohe Wellen und prasselnden Regen an. Zu allem Unglück wies nicht ein einziger Stern am Himmel den Weg.
    An Bord herrschte aufgeregtes Treiben. Jeder Mann war auf seinem Posten und die Nerven aller waren bis zum Zerreißen gespannt.
    „Bringt sie in den Wind!“, brüllte Edward gegen den tosenden Sturm an und hielt mit aller Kraft das Steuer.
    Sofort wurde der Befehl von Mann zu Mann weitergegeben und endlich strafften sich die Segel im Wind.
    Joe hatte seinen Posten vorn am Bug eingenommen und schien sich nicht von der allgemeinen Unruhe anstecken zu lassen. Wartend sah er in die Dunkelheit.
    Henry, der neben ihm Position bezogen hatte, schimpfte aufgeregt vor sich hin. „Diese verfluchte Dunkelheit! Wie soll man da etwas erkennen können. Captain, ich sag`s dir: Das ist unser Ende! Lass uns umkehren! Selbst am Tage wäre es ein schwieriges Unterfangen die alte Lady heil durch die Klippen zu manövrieren, aber so in der Finsternis… Ich habe kein gutes Gefühl dabei.“
    Joe schüttelte jedoch den Kopf und zeigte in die Finsternis, die da vor ihnen lag. „Sieh nur genau hin! Da vorn wartet das erste Riff auf uns.“
    Der Bootsmann beugte sich noch etwas weiter vor und starrte angestrengt in die Dunkelheit. Dann endlich konnte auch er etwas erkennen. Eine dunkle Silhouette ragte nur ganz leicht aus der Wasseroberfläche. Ein gequälter Laut kam über seine Lippen.
    Zum Nachdenken blieb jetzt jedoch keine Zeit mehr. Während Joe seinen Kristall aus der Tasche seiner Weste fingerte, wandte er sich noch einmal an seinen Kameraden. „Die anderen sollen sich bereithalten. Und du mein Freund bete zu all den Göttern, von denen du je gehört hast! Wir können ihre Unterstützung gut gebrauchen.“ Und schon wandte er sich mit dem Gesicht wieder nach vorn, hob den Kristall in die Höhe und sah hinein.
    Mit einem ungläubigen Kopfschütteln machte Henry sich daran, die Anweisung weiterzugeben.
    Ab diesen Zeitpunkt ging alles sehr schnell. Während Joe sich weiterhin vom magischen Stein den Weg weisen ließ, hallten Befehle über Deck. Direkt vor ihnen sahen die Männer jetzt den gespenstischen Schatten der ersten Hürde, an dessen Oberfläche sich donnernd die hohen Wellen brachen.
    „Backbord, leicht backbord!“, brüllte Joe gegen den Wind an und Henry gab die Order sofort in derselben Lautstärke weiter.
    Joe sah wieder nach vorn und brüllte: „Bereithalten zum Umschwenken!“
    Wasser peitschte ihm ins Gesicht, doch er hielt den Blick auf das Wasser vor ihnen gebannt. „Hart Steuerbord! Sofort!“
    Edward riss das Steuer herum und große Wellen überspülten das Deck. Die Männer hatten alle Mühe, sich auf den Beinen zu halten.
    Doch schon tauchte, wie aus dem nichts, als großer schwarzer Schatten das nächste Hindernis auf.
    Der Rumpf schrammte über den Felsen und das Schiff erbebte, schien den Zusammenstoß jedoch unbeschadet überstanden zu haben.
    „Jetzt kommt die letzte. Leicht Backbord!“
    Die nassen Seile zurrten, Edward änderte leicht den Kurs und die „Black Mary“ glitt auch an der letzten Klippe unbeschadet vorbei.
    „Haltet den Kurs! Wir haben es bald geschafft, Männer!“
    „Achtet auf das Hauptsegel, sonst zerfetzt es dieser verfluchte Sturm!“, schrie Edward. Seine Sorge erwies sich jedoch sehr bald schon als unbegründet, denn so abrupt, wie der Sturm über das Schiff hereingebrochen war, so endete er auch.
    Es wehte nur noch eine leichte Brise und das Schiff hatte, trotz gehisster Segel, Mühe, voranzukommen. Langsam glitt es durch das Wasser und kurze Zeit später hatten die Männer endlich freies Wasser erreicht.
    Erschöpft von der Anstrengung, völlig durchnässt und schlotternd vor Kälte ließen sich die meisten der Piraten zu Boden sinken.
    Joe trat zu seiner völlig entkräfteten Crew. „Gut gemacht, Männer! Ich wusste, auf euch ist Verlass! Aber haltet die Augen auf! Ich fürchte, auf dem letzten Stück Weg wartet eine weitaus größere Gefahr auf uns. Es ist noch nicht vorbei.“
    Entsetzt sahen die Piraten zu ihrem Captain auf, dessen ganze Aufmerksamkeit jedoch galt schon wieder der spiegelartigen Wasseroberfläche vor ihnen.
     
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  14. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 33
    Joe stand am Bug der „Black Mary“ und starrte nachdenklich aufs Wasser hinab, welches wie ein riesiger Spiegel vor ihm lag.
    Es wehten zwar noch ein paar laue Lüftchen aus wechselnden Richtungen, doch auch die flauten langsam ab.
    Mittlerweile hingen die Segel schlaff herab und das Schiff schaukelte auf dem Wasser, ohne vorwärts zu kommen.
    Juan trat neben ihn. „Joe, worauf warten wir? Ist es nicht langsam an der Zeit, die Beiboote zu Wasser zu lassen, damit sie das Schiff voranschleppen? Diese gespenstische Ruhe macht die Männer nervös und ich denke, niemand von ihnen möchte hier unnötig lange tatenlos ausharren. Also, worauf wartest du noch? Gib endlich den Befehl!“
    „Nein Juan, lass uns warten!“ Joe fuhr sich mit der Hand durch das müde Gesicht. „Ich weiß, dass es nicht mehr lange dauern kann. Irgendwo da draußen lauern sie. Wir müssen abwarten!“
    Jetzt beugte sich auch Juan weiter vor, in der Hoffnung, etwas erblicken zu können. Doch nur sein Spiegelbild sah ihm entgegen. „Bei Neptun! Joe wovon redest du? Wer ist da draußen?“ Fragend blickte er zu seinem Captain.
    Dieser entgegnete mit erstaunlich ruhiger Stimme: „Muss ich dir diese Frage denn wirklich noch beantworten? Du hast doch die Geschichten der Männer gehört und weißt, so gut wie ich, dass sie wahr sind. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sie sich uns zeigen und dann steht uns wohl der härteste Kampf unseres Lebens bevor.“
    Entsetzt sah Juan noch einmal hinaus aufs Wasser. „Du glaubst also wirklich an dieses Seemannsgarn?“
    Die Antwort ließ ihn dann jedoch verstummen. „ Ich glaube nicht nur daran, ich weiß, dass sie da sind. Ich wünschte, es wäre anders.“ Wieder sah Joe angestrengt aufs Wasser und zeigte dann stumm nacheinander in verschiedene Richtungen.
    Nun sah auch Juan, dass sich dort draußen etwas tat. Die ansonsten so glatte Wasseroberfläche war in Bewegung geraten und gewaltige Wogen bewegten sich in jagten in beängstigender Geschwindigkeit auf das Schiff zu. Die Seeschlangen begannen ihren Angriff.
    „Schnell! Ruf die Männer an die Waffen!“ Joe sah seinem Kameraden noch einmal eindringlich in die Augen. „Viel Glück, mein Freund!“
    Ein kurzes Nicken genügte als Antwort, die beiden verstanden sich ohne Worte und schon stürmte Juan davon, um die Mannschaft auf den Kampf vorzuzubereiten.
    Viel Zeit blieb den Männern nicht. Gerade hatten sie die Waffen zur Hand genommen, da gab es auch schon einen gewaltigen Stoß. Die „Black Mary“ ächzte und erbebte. Kaum einen Mann hielt es auf den Beinen.
    Lautes Gebrüll setzte ein, als alle versuchten, wieder auf die Beine zu kommen und sich nach ihren verloren gegangenen Waffen umsahen.
    Wieder gab es einen Stoß, doch diesmal war die Crew besser darauf vorbereitet und nur wenige verloren den Halt.
    Während diese sich laut fluchend wieder aufrappelten, herrschte plötzlich wieder absolute Stille, so als hätte es den vorangegangenen Zwischenfall nicht gegeben.
    Hoch konzentriert standen die Männer an Deck und lauschten. Doch nur das leise Plätschern der Wellen am Schiffsrumpf drang an ihr Ohr.
    Doch halt, da war noch etwas anderes, etwas, das sich nicht so leicht zuordnen ließ…
    Ein leises Kratzen war zu hören. Gespannt lauschten alle und niemand wagte es, sich von der Stelle zu bewegen.
    „Edwards Schrei ließ alle zusammenfahren. „Da hol mich doch der Klabautermann! Achtung Männer, die Bestien wollen uns in die Tiefe ziehen.“ Und schon rannte er, den Säbel schwingend nach Backbord und hieb laut fluchend auf die erste der riesigen Ungeheuer ein.
    Schon wollten ihm seine Kameraden zu Hilfe eilen, mussten jedoch sehr bald gegen die nächsten Angreifer ankämpfen, die mit aller Macht versuchten, die „Black Mary“ zu ergreifen und unter Wasser zu ziehen.
    Schreie hallten übers Deck, Säbel rasselten und die Luft war vom Qualm der abgefeuerten Musketen durchzogen.
    Es schien ein auswegloser Kampf zu sein und Joe sah sehr schnell, dass es jetzt nur noch eine Rettung geben konnte.
    Mitten im Kampf versuchte er verzweifelt den Kristall aus seiner Tasche zu fingern, was ihm nach mehreren vergeblichen Versuchen dann endlich gelang.
    Doch urplötzlich gab es einen noch gewaltigeren Stoß, als die vorangegangenen. Das Schiff neigte sich zur Seite und Joe kam auf dem Rücken zu liegen. Direkt über ihm, nur um eine Winzigkeit von seinem Gesicht entfernt, befand sich das überdimensionale maul dieser scheußlichen Bestie und versuchte, ihn zu schnappen.
    Der magische Stein war bei dem Sturz aus Joes Händen geglitten. Hilflos sah er sich jetzt danach um, doch der Kristall, der das Unheil vielleicht noch hätte abwenden können, rollte, für den Captain unerreichbar, langsam über das leicht schrägstehende Deck direkt hinein in einen Haufen erbittert kämpfender Piraten.
    Die letzte Hoffnung war dahin und Joe schloss die Augen vor dem grausamen Schicksal, welches nun nicht mehr abwendbar schien…
     
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  15. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 34

    „… Joe… Captain!“ Joe vernahm die Rufe seiner Kameraden nur ganz wage, war jedoch nicht dazu in der Lage, darauf zu reagieren, viel zu sehr war er auf sein Ende gefasst.
    Mit einem gewaltigen Ruck wurde er hoch gerissen und von der schrecklichen Bestie fortgezogen.
    Ein Großteil seiner Kameraden war ihm zu Hilfe geeilt. Während die einen sich um ihren Captain kümmerten, traten die anderen die Säbel schwingend und mit lautem Geschrei zwischen ihn und das Ungetüm.
    Noch gelang es ihnen, die immer stärker werdenden Angriffe abzuwehren, sehr lange würden sie jedoch nicht mehr standhalten können. Schon jetzt befand sich die „Black Mary“ in einer besorgniserregenden Schräglage. Schon sehr bald würde das erste Wasser über das Deck schwappen und das Schiff endgültig zum Kentern bringen.
    Wieder erbebte das Schiff und ächzte.
    Joe jedoch schien von alldem nichts zu registrieren. Seine Männer stemmten sich verzweifelt gegen die drohende Niederlage, er jedoch stand völlig allein in dem Kampfgetümmel und hielt Ausschau nach dem verloren gegangenen Kristall, hatte er doch so eine Ahnung, dass nur noch Magie die Rettung bringen könnte.
    Da! Zwischen dem Gewirr all der stampfenden Füße hatte er ihn endlich ausgemacht. Ein leichtes fast unmerkliches Leuchten schien von dem Stein auszugehen.
    Joe hatte das Gefühl, als würde die Kraft des Kristalls nach ihm rufen.
    Also begann er über das Deck zu stolpern, ohne auch nur einen Blick nach links oder nach rechts zu verschwenden.
    Er musste den Stein erreichen. Immer wieder wurde er durch die kämpfenden Männer von seinem Weg abgedrängt, ließ sich jedoch nicht beirren, bis er ihn endlich wieder in seinen Händen hielt.
    Endlich hatte er ihn zurück, konnte seine Finger um ihn schließen. Jetzt gab es wieder Hoffnung auf Hilfe, obwohl Joe nicht hätte sagen können, wie diese wohl aussehen sollte.
    Voller Zuversicht hob er die Arme und streckte die Hände mit ihrem so wertvollen Inhalt dem strahlend blauen Himmel entgegen.
    Und tatsächlich! Wieder einmal sollte Joe Recht behalten: Als hätte die Macht in dem Stein nur auf diesen Moment gewartet, begann sich auch sofort ihre Magie über das gesamte Schiff auszubreiten.
    Erst war es nur ein schwaches warmes Licht, doch schon bald erstrahlte es immer heller in den herrlichsten Farben, breitete sich immer weiter aus und legte sich wie eine schützende Hülle über das Deck einschließlich der Mannschaft, über die Masten, die Rollen, die Segel, einfach über alles. Schon bald leuchtet das gesamte Schiff in den hellsten Regenbogenfarben und überstrahlte selbst die Sonne, die hoch am Himmel stand.
    Längst hatten die Männer ihre Kampfhandlungen eingestellt und starrten ehrfürchtig auf die seltsame Erscheinung. Es herrschte eine seltsame Stille und es schien als würden es die Piraten nicht einmal mehr wagen, frischen Atem zu holen.
    Die Furcht einflößenden Seeschlangen hatten langst von der „Black Mary“ abgelassen und umkreisten sie nun in einem sicheren Abstand, gerade so als würde eine unsichtbare wand sie davon abhalten, sich dem Schiff noch einmal zu nähern.
    Joe stand noch immer inmitten seiner Kameraden, streckte die Arme in die Höhe und mit geschlossenen Augen begann er ganz leise immer wieder ein Wort zu murmeln. Seine Stimme schwoll immer weiter an und von Mal zu Mal ertönte sein Ruf etwas lauter, bis er letztendlich mit aller Kraft, die seine Lungen hergaben, einen Schrei gen Himmel schickte: Sedira!!!
    Völlig entkräftet sank er auf die Knie, um von dort auf das nun folgende Schauspiel zu blicken.

    Leichter Wind kam auf und blies von Westen, die Wasseroberfläche begann sich zu kräuseln. Vom Himmel zuckten mit lautem Tosen Blitze, die jedoch keine Gefahr für das Schiff darzustellen schienen. Zischend sausten sie in das immer gewaltiger brodelnde Wasser und trieben die abscheulichen Bestien vor sich her, bis diese endlich von ihrer vermeintlichen Beute abließen und den Rückweg in die dunklen Tiefen des Meeres antraten. Der brodelnde Meeresspiegel allein verriet ihren Weg. Sie zogen sich zurück ins offene Meer und die „Black Mary“ war wieder einmal, wenn auch mit erheblichen Beschädigungen, gerettet.
    Langsam schien Joe zu seiner alten Kraft zurückzufinden. Langsam erhob er sich, sah noch einmal in die Runde zu seiner noch immer vor Schreck erstarrten Crew, um dann das Wort zu ergreifen. „Männer, es ist geschafft. Ihr habt heldenhaft gekämpft und ich bin stolz, euer Captain zu sein. Doch uns bleibt keine Zeit. Die Feuerinsel wartet auf uns. Also macht die Segel klar und bringt die alte Lady in den Wind!“
    Gerne hätten die Männer seinem Befehl gefolgt, doch noch immer versuchten sie, das soeben geschehene zu verstehen, geschweige irgendetwas zu berühren. Noch immer waren die Seile, die Rollen und auch die Segel mit einem schwachen magischen Licht überzogen.
    „Habt ihr nicht verstanden? Macht das Schiff klar! Seid ihr echte Männer oder Memmen!?“ Erst Edwards Herausforderung brachte wieder Leben in die Mannschaft sofort herrschte emsiges Treiben an Deck. Niemand wollte sich schließlich nachsagen lassen, ein Feigling zu sein.
    Mit einem schelmischen grinsen wandte Joe sich ab und nahm erneut seinen Posten am Bug ein.
    Juan trat zu ihm und eine Weile starrten beide schweigend auf das Ziel ihrer Reise.
    Wieder einmal spie der Berg Feuer und es schien, als würde die gesamte Insel unter dem Donnern erzittern.
    Juan ertrug die Stille nicht länger und wandte sich besorgt an seinen Captain. „Joe, was zum Henker ist da eben geschehen? Und woher wusstest du, was zu tun war?“
    Nachdenklich erwiderte Joe den fragendem Blick. „Ich weiß es nicht mein Freund. Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich ebenso verwirrt bin, wie wohl alle hier. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, jemand anderes zu sein, so als hätte eine fremde Macht meinen Körper übernommen. Ich kann dir nicht sagen, ob wir jemals erfahren werden, wie alles zusammenhängt, ich habe jedoch die Gewissheit, dass auch unser nächstes Abenteuer gut ausgehen wird.“
    Nachdenklich strich sich Juan durch das dichte schwarze Haar, dann begannen seine Mundwinkel zu zucken und schon bald schallte ein befreiendes Lachen über Deck, welches erstaunte Blicke und ratloses Kopfschütteln beim Rest der Mannschaft hervorrief. „Nun, nachdem, was heut geschehen ist, teile ich deine Gewissheit. Mit dir und deiner Macht an meiner Seite bin ich zu jedem Abenteuer bereit. Ich wünschte nur, wir wären schon da.“
    „Nein Juan, sag so etwas nicht! Es ist nur ein Gefühl, doch niemand weiß, ob meine Sinne nicht vielleicht auf Irrwegen sind. Also heb dir deine Zuversicht auf, bis wir uns auf dem Rückweg befinden.“
    Ein gewaltiges Grollen ließ alle aufschrecken. Der Vulkan spie mit aller Macht riesige Gesteinsbrocken in den Himmel, so als wolle er jeden davor warnen, in sein Reich vorzudringen.
     
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  16. -kulli-

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    Teil 35
    Langsam näherten sich die Männer auf ihren kleinen Booten dem Eiland.
    Gleichmäßig tauchten die Ruder in das glasklare Wasser. Nur das leise plätschern des Wassers war zu hören, ansonsten herrschte eine beängstigende Ruhe.
    Niemand sagte ein Wort und selbst der Vulkan schien eine Pause eingelegt zu haben und den Atem anzuhalten, aufgrund der Tatsache, dass es tatsächlich eine Menschenseele wagte, sich dem verwunschenem Stückchen Erde zu nähern.
    Eine Weile beobachtete Henry den vor ihm sitzenden Juan. Dieser sah immer wieder suchend hinauf zum Himmel, dann wieder hinab zum geröllbedeckten Meeresboden.
    Als dieser nun auch noch gedankenverloren den Kopf schüttelte, hielt es Henry nicht mehr aus. Erst tippte er seinem Vordermann auf die Schulter und als dieser sich zu ihm wandte, sprudelte es nur so heraus. Viel zu lange hatte er schon den Mund halten müssen. „Was ist los Juan? Du machst mich ganz verrückt! Willst du mir nicht sagen, wonach du Ausschau hälst? Vielleicht kann ich helfen. Vier Augen sehen schließlich mehr als zwei.“
    „Ach weißt du Henry, mir ist da gerade ein beängstigender Gedanke gekommen. Ist es möglich, dass wir uns auf direktem Weg ins Verderben befinden?“ Auf Henrys fragenden Blick hin wurde er deutlicher. „Blicke dich doch einmal um, Kamerad und sage mir, was du siehst!“
    Henry begann nun, in alle möglichen Himmelsrichtungen zu blicken, er sah ebenso nach oben, wie auch nach unten in das Meer. Noch immer verstand er nicht. „Nun, um ehrlich zu sein, sehe ich…!“
    „Nichts!“ fiel Juan ihm ins Wort. „Genau das ist es, was mich so beunruhigt. Hier gibt es nichts, nicht das kleinste Anzeichen von Leben. Mir ist gerade bewusst geworden, dass es hier außer uns kein Lebewesen gibt. Wann hast du denn zuletzt einen Vogel oder einen Meeresbewohner gesehen? Nur dieser verflixte Falke wagt sich hierher vor. Ich sage dir, wir sind auf dem direkten Weg in die Hölle.“
    Mittlerweile waren auch die anderen Männer, die sich mit im Boot befanden, auf das Gespräch aufmerksam geworden. Während einige etwas erschreckt über den weiten Ozean sahen und versuchten, vielleicht doch ein Lebewesen zu erblicken und sei es noch so klein, rieb Joe sich nachdenklich das Kinn und meinte dann: „Auch ich habe das schon vor einiger Zeit bemerkt. Auf dieser Insel liegt ein Fluch und die Tiere halten sich von hier fern. Sie spüren anscheinend, dass hier etwas Unheimliches vorgeht.“
    „Ja aber dieser vermaledeite Falke ist doch auch hier!“: fiel Edward ihm ins Wort. „Warum wagt er sich dann hierher vor?“
    „Nun, dieser Falke ist kein normaler Vogel. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Phylixa ihn mit irgendeinem Zauber belegt hat, damit er uns überallhin folgt und uns im Auge behält. Doch auch er fliegt weitaus höher als sonst, so als spürte auch er eine Gefahr.“
    Nachdenklich sahen die Männer nach oben. Und tatsächlich, der Falke war inzwischen in ungeahnte Höhen aufgestiegen, kaum noch sichtbar zog er seine Kreise, gab seinen Beobachtungsposten jedoch nicht auf.
    „Egal, was auf uns wartet, ich nehme an, es bleibt uns keine andere Wahl, als es herauszufinden. Richtig Captain?“ Edward legte sich schon wiederwild entschlossen in die Ruder.
    „Aye Ed! Wir haben keine Wahl!“ Ohne ein weiteres Wort wandte Joe sich wieder nach vorn und sah nachdenklich auf die nun rasch näher kommende Insel.
    Was er dort erblicken konnte, wirkt alles andere als einladend.
    Öde und unheimlich ragte das Land aus dem Meer in die Höhe. Es gab weder einen Baum noch einen winzigen Grashalm. Lediglich steile felsige Klippen erwarteten die Ankunft der Boote.
    Gestein und Geröll knirschte, als sie endlich an Land gingen und die Boote an den Strand zogen, damit sie in Sicherheit wären.
    Sofort machten sich zwei Männer auf den Weg, um sich umzusehen. Die Hände an den Waffen stiegen sie einen schmalen Pfad hinauf, der zwischen den Klippen entlangführte.
    Henry trat näher an den Captain. „Joe, der Gezeitenwechsel steht bald an. Wir sollten die Boote sichern, damit sie uns das Meer nicht nehmen kann?“
    „Nein Bootsmann, lass uns damit noch etwas warten, bis die Kundschafter zurück sind. Ich wäre gerne vorbereitet, wenn wir schnell verschwinden müssen.“
    Nach einer Zeit angespannten Wartens verkündete leichter Steinschlag, dass sich die Vorhut auf dem Rückweg befand und nachdem diese Entwarnung gegeben hatten, wurden Die Boote gut vertäut und die Piraten machten sich auf den Weg, welcher sich als sehr beschwerlich erwies, da jeder Mann noch etwas von dem mitgebrachten Proviant als Last auf den Schultern trug.
    Endlich hatten alle die Anhöhe hinter sich gebracht und befanden sich nun auf einem hervorstehenden Felsplateau, auf dem das Basislager eingerichtet werden sollte.
    Wortlos blickten sie sich um, doch den Betrachtern bot sich nur zerborstenes Land mit steilen Schluchten und tiefen Spalten. Hier und dort bahnte sich blutrote Lava den Weg.
    „Bei Neptun, so muss der Weg in die Hölle aussehen! Juan, ich glaube du hast Recht. Wir sind auf direktem Weg in unser aller Verderben!“
     
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  17. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 36
    Ungläubig drängten sich mittlerweile alle Männer an den Rand des Plateaus, um mit eigenen Augen zu sehen, welch unerfreuliche Aussichten, Henry zu seinem Ausruf bewogen hatten.
    Der Anblick war wahrhaftig gespenstisch. Das gesamte Land schien nur aus Stein zu bestehen. Tiefe Spalten und tiefe Abgründe zogen sich durch die Felsen. Einige der felsbedeckten Wege endeten in einer Sackgasse, andere wiederum schienen direkt in die glühenden Lavaströme zu führen.
    Über allem lag ein schwerer Schleier aus den aufsteigenden Rauch- und Aschewolken. Einige halb verkohlte Baumstümpfe trotzten noch der zerstörerischen Macht der Glut, doch es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis auch sie nicht mehr die Kraft aufbringen würden, mit ihren Wurzeln Halt zu finden. Dann wäre mit ihnen auch das letzte Anzeichen von Leben verschwunden.
    Ein dumpfes Grollen aus dem Inneren des Berges war zu vernehmen und ließ selbst den Stein unter den Füßen der Männer erzittern. Es war, als hole der Berg noch einmal einen tiefen Atemzug, um dann mit aller Macht die nächste Lawine der Zerstörung über das Land zu schicken.
    Edward brach als erster das Schweigen. „ Beim Klabautermann, nichts als verbrannte Erde, wohin man auch sieht! Wo wollen wir nur anfangen mit der Suche? Wie willst du da einen Weg finden in diesem Labyrinth, Captain?
    „Ich weiß es noch nicht. Es muss aber einen Weg geben und wir werden ihn finden. Wir müssen einfach, sonst war alles umsonst.“ Voller Wut schlug Joe sich mit der Faust in die offene Hand. „Lasst uns gemeinsam überlegen, wie es jetzt weitergehen soll.“
    Das Lager wurde aufgebaut, ein Feuer entzündet und die Männer ließen sich erschöpft nieder. Doch auch Stunden später, nach einer Stärkung für alle und etwas Erholung für die müden Körper, war man in den Überlegungen nicht weiter als zuvor.
    Viele Ideen waren zusammengetragen und dann doch wieder verworfen worden. Es hatte den Anschein, als wäre die Mission schon zu Ende, bevor sie so richtig begonnen hatte.
    Der Abend brach mittlerweile herein und die ersten Sterne zeigten sich am Himmel. Und noch immer saßen die Männer um das Feuer herum und diskutierten.
    Resigniert sprang Joe auf. „Das führt doch zu nichts! Wir sind schon so nah und doch scheinen wir nicht in der Lage zu sein, den rechten Weg zu erkennen. Lasst es für heute gut sein! Die Nacht bricht bald herein und wir können heute nichts mehr erreichen. Also legt euch zur Ruhe. Vielleicht bringt der Morgen neue Erkenntnisse mit sich. Dann werden wir alle unsere ganzen Kräfte brauchen.“
    Missmutig bereiteten die Männer ihre notdürftigen Nachtlager und nachdem die Wachen eingeteilt waren, ertönten schon bald die typischen Schlafgeräusche.
    Nur einer fand keine Ruhe. Joe lag auf seiner Decke und starrte hinauf in das Sternenmeer. „Es muss einen Weg geben! Es muss einen Weg geben!“ Immer und immer wieder ging der Satz durch seine Gedanken und schien von ihm Besitz zu nehmen.
    Das dumpfe Grollen im Inneren des Berges trat in den Hintergrund. Leise flüsternd unterhielten sich die beiden Männer, die zur Wache eingeteilt waren. Doch auch diese Gesprächsfetzen schienen weit weg zu sein.
    Unruhig warf Joe sich hin und her, in der Hoffnung endlich etwas Ruhe zu finden. Vergeblich!
    „Es muss einen Weg geben…“
    Nein, an Schlaf war nicht zu denken. Wütend sprang Joe auf und begab sich zu den wachhabenden Männern an den Rand des Plateaus. Mike und Samuel waren zwar etwas erstaunt, ihren Captain zu sehen, sagten aber besser nichts, nachdem sie in Joes mürrische Gesicht geblickt hatten. Wissend sahen sie einander an. Beide kannten ihren Captain schon zu lange. Sie wussten, dass es besser war, keine Fragen zu stellen, wenn er so finster dreinblickte.
    Aus der Tiefe der Erde war ein dumpfes Grollen zu vernehmen, welches stetig an Intensität zunahm. Joe trat näher an den Rand und sah hinab, doch vor ihm tat sich nur ein finster daliegender Abgrund auf, durchzogen von pulsierenden glühenden Adern.
    Immer weiter nahm das Grollen zu.
    „Weckt die anderen! Ich fürchte, gleich wird es etwas ungemütlich.“ Joe wandte sich wieder zum Abgrund. Langsam ließ er den Blick hinüber zum Berg wandern, fest entschlossen, nichts verpassen zu wollen.
    Plötzlich gab es einen Stoß, die Erde vibrierte. Mittlerweile war auch der letzte der Männer auf den Beinen. Aufgeregt liefen alle durcheinander. Der nächste Erdstoß kam noch gewaltiger, die gesamte Anhöhe, auf der sich die Piraten befanden, schien in Bewegung zu geraten.
    Schreiend versuchte man sich zu verständigen, leider vergeblich, ein ohrenbetäubendes Donnern legte sich über das Geschehen.
    Der Vulkan stand direkt vor seinem Ausbruch. Erste Feuerpfeile schossen aus dem Krater in den von Rauchwolken verdunkelten Nachthimmel.
    Nach einem weiteren gewaltigen Donner, der die gesamte Insel zum Erzittern brachte, brachen sich die ersten Bahnen flüssigen Gesteins ihren Weg ins Tal, bereit alles zu vernichten, was sich ihnen in den Weg stellen würde.
    Wieder erzitterte der Erdboden unter den Füßen der Männer, einige verloren den Halt und stürzten zu Boden.
    „Ihr Götter, helft! Joe, was sollen wir tun?“ Juan schrie gegen all den Lärm rundherum an, um dann nach einem weiteren Blick feststellen zu müssen, dass dieser sich nicht mehr am Rand des Felsvorsprungs befand. „Joe!!!“ Der Schrei erfüllte die Nacht. Doch keine Antwort. Der Captain blieb verschwunden, während seine Männer hilflos mit ansehen mussten, wie die Welt um sie herum zusammenzubrechen schien.
     
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  18. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 37
    Ein gewaltiger Erdstoß holte Joe von den Füßen und schleuderte ihn über den Rand des Felsvorsprungs. In letzter Minute gelang es ihm noch, Halt an der spröden Klippe zu finden.
    Da hing er nun, inmitten von Rauch und Donner und schrie nach Hilfe, doch scheinbar schien ihn in dem ganzen Durcheinander niemand zu hören. Vorsichtig wagte er einen prüfenden Blick nach unten, doch dort schien nur ein tiefer Abgrund voller Glut auf ihn zu warten.
    Doch was war das? Direkt unter der Klippe, auf der sie jetzt schon seit endlosen Stunden ausgeharrt hatten, befand sich eine weitere weitaus kleiner und von oben nicht sichtbar.
    Wenn es ihm gelingen könnte, diese zu erreichen, blieb ihm der Sturz in die Tiefe vielleicht doch noch erspart. Doch egal, was Joe auch versuchte, es war unmöglich von seiner jetzigen Position aus, den rettenden Vorsprung zu erreichen.
    Wieder schrie er nach seinen Kameraden. Sehr lange würde er nicht mehr die Kraft haben, sich zu halten. Die Arme ermüdeten und die Hände wurden langsam taub, sodass die erste bald schon den Halt verlor.
    Schon spürte Joe, dass auch die zweite Hand nachließ. Er schloss die Augen und bereitete sich auf den unausweichlichen Sturz vor, doch genau in dem Moment, als seine Finger langsam von der Klippe abglitten, schloss sich eine starke Hand um seine und zog ihn in die Höhe, zurück auf den rettenden Vorsprung. Juan hatte ihn im allerletzten Moment erreicht.
    Nun kamen auch die anderen zu Hilfe und mit vereinten Kräften zogen sie ihren Captain zurück auf das Plateau.
    Mühsam kletterte Joe über den Rand und lag nun erschöpft zu Füßen seiner Crew.
    Das Beben hatte inzwischen nachgelassen und die Männer versammelten sich noch sichtlich verwirrt und verängstigt um ihn.
    Edward sprach aus, was wohl alle dachten. „Joe, lass uns unsere Sachen zusammenraffen und von hier verschwinden. Gerade ist es ruhig geworden, wir sollten die Gelegenheit nutzen, um zu den Booten zu kommen.“
    Während die Männer zustimmend vor sich hin murmelten, sprang Joe entschlossen auf. Vergessen war die Müdigkeit und die bleierne Schwere in den Knochen. „Nein Ed, unsere Suche ist noch nicht beendet. Wir müssen bleiben!“ Während er sprach, streckte er entschlossen das Kinn vor und erhob die Stimme. „Wir haben hier noch etwas zu erledigen und werden erst aufbrechen, wenn wir den ersten Schlüssel in den Händen halten.“
    Auch Edward reckte kampflustig das Kinn vor und polterte: „Joe, ich sage es nicht gern, aber ich glaube, du bist nicht mehr bei Sinnen. Was um Himmels Willen glaubst du hier noch zu finden? Es gibt ja nicht einmal mehr einen Weg, der uns durch dieses Tal führen könnte. Hab ein Einsehen und lass uns verschwinden, so lange wir noch die Gelegenheit haben. An einem anderen Ort ist unsere Suche sicher erfolgreicher.“
    „Ed ich sage es dir jetzt zum letzten Mal. Wir können die Insel nicht einfach so verlassen. Selbst wenn wir an anderen Orten tatsächlich Erfolg hätten und die Schlüssel fänden, so wäre die Mission trotz allem gescheitert, denn hier ist der Anfang.“
    Nun drängte sich Juan zwischen die beiden Streithähne, die wutentbrannt und mit geballten Fäusten aufeinander ein redeten. „Ihr haltet jetzt beide den Mund und beruhigt euch! Es ist niemandem geholfen, wenn wir uns gegenseitig an die Kehle gehen.“
    Völlig verdutzt schnappten beide Männer nach Luft, blieben aber tatsächlich stumm.
    An den Captain gewandt fuhr Juan jetzt fort. „Joe, ich kann die Männer verstehen. Wir alle sind müde und die Last unserer schweren Aufgabe drückt schwer auf unseren Schultern. Doch wir haben dir unser Wort gegeben. Also sage uns mein Freund, wie kannst du dir immer noch so sicher sein, hier den ersten Schlüssel zu finden!? Gib uns etwas, das uns Hoffnung macht und wir werden dir auch weiterhin folgen.“
    Nachdenklich blickte Joe in die Runde, sah jedem seiner Männer ins Gesicht. Einige sahen betreten zu Boden, andere erwiderten entschlossen dem Blick. Und sie alle warteten auf eine Antwort, die definitiv eine Entscheidung herbeiführen würde.
    Langsam und jedes Wort abwägend setzte Joe an, während ein leichtes Zucken um seine Mundwinkel doch verriet, wie sicher er sich seiner Sache war. „Also gut Männer! Die Entscheidung liegt bei euch. Ihr könnt aufgeben und fliehen, oder ihr folgt mir und stellt euch allen Gefahren, so wie ihr es immer getan habt. Ich werde euch nicht aufhalten. Doch lasst euch zuvor erklären, warum ich mir so sicher bin. Genau diese Insel habe ich schon mehrmals gesehen. In meinen Träumen war ich schon oft hier und auch in meinen Visionen, die mir der Kristall gesandt hat, stand ich schon oft an diesem Abgrund.“
    Ein Raunen ging durch die Gruppe. Einige Crewmitglieder blickten noch etwas ungläubig drein. Bevor jedoch jemand das Wort ergreifen konnte, kam Joe ihnen zuvor, indem er mit blitzenden Augen und einem schelmischen Grinsen erklärte: „Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass der Weg, nach dem wir gesucht haben, direkt unter uns beginnt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es euch alle brennend interessieren wird, wo er denn wohl endet.“
    Die Männer verstanden nicht, worauf ihr Captain hinaus wollte. Verwirrt starrten sie auf den Boden unter ihren Füßen, einige begannen mit ihren Stiefeln auf das harte Gestein einzutreten und während all dieser Verwirrung hallte Joes herzliches Lachen durch die dunkle Nacht.
     
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    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 38
    Die Piraten konnten es nicht glauben. Was war denn nur in ihren Captain gefahren? Jetzt war er wohl tatsächlich verrückt geworden.
    Schon polterte Edward: „Verdammt Joe, was ist mit dir? Ist es möglich, dass du dir bei deinem Fall den Kopf angestoßen hast? Wir zittern hier um unser Leben und du hältst uns zum Narren. Hier ist nichts außer kaltem Felsen, du musst dich irren. Es gibt zum Henker keinen Weg! Komm endlich zur Besinnung!“
    „Vergiss nicht, dass der Captain diesen Ort in seinen Träumen gesehen hat.“, wagte der Schiffsjunge Simon einzuwenden.
    „In einem Traum ist nicht immer alles das, was es zu sein scheint. Das weiß doch jeder.“, konterte Edward und fügte dann, an Joe gewandt hinzu: „Ich will unsere Mission ja nicht in Frage stellen, aber wie kannst du dir so sicher sein, den richtigen Ort gefunden zu haben? Ich will sagen, Insel gibt es viele und sicher findet man auch auf der ein oder anderen einen feuerspeienden Berg. Was, wenn du dich irrst und unser Ziel ganz woanders liegt?“
    Endlich hatte Joe sich wieder soweit beruhigt, dass er wieder in der Lage war, zu seinen Männern zu sprechen. Während er sich noch die Lachtränen aus dem Gesicht wischte, entgegnete er ruhig und grinsend: „Sicher, du hast recht Ed! Die Traumwelt kann schon verwirrend sein und hat schon so manchen in die Irre geführt. Du vergisst aber den Kristall, der mir klar und deutlich den Weg weist. Er hat uns hierher geführt. Und zu allen, die noch zweifeln, kann ich nur sagen: Wir sind am rechten Ort.
    Der Weg, den wir seit Stunden vergeblich gesucht haben, ist vorhanden, wenn auch im Moment für unsere Augen verborgen. Er beginnt direkt unter diesem Felsvorsprung. Ich konnte ihn klar und deutlich erkennen, als ich über dem Abgrund hing.“
    Ein Raunen ging durch die Gruppe und einige der Männer bewegten sich vorsichtig auf den Rand der Klippe zu.
    „Seid vorsichtig! So werdet ihr kaum etwas erkennen können. Der Vorsprung unter uns ist um einiges kleiner als dieser und liegt im Schatten.“ Joe war zu den Männern vorgetreten, welche sich jetzt enttäuscht zeigten. Ihre Verdrossenheit hielt jedoch nicht lange an, konnten sie doch jetzt sicher sein, ihrem Ziel wieder ein Stückchen näher gekommen zu sein.

    Die letzten Stunden der Nacht wollten scheinbar nicht vergehen, an Schlaf dachte jedoch niemand. Eifrig wurden Pläne für den folgenden Tag geschmiedet, Vorbereitungen getroffen und wild spekuliert, welche Herausforderungen wohl als nächstes auf die Männer warteten.

    Joe nickte, dann legte er sich auf den Bauch und während Henry seine Beine festhielt, beugte er sich vor und sah über den Überhang.
    Juan tat es ihm gleich und wurde dabei von Edward gehalten.
    Nach einem kurzen Fingerzeig seines Captains konnte auch er nun den Weg schemenhaft erkennen.
    Genau schätzten die beiden den Abstand zum tieferliegenden Vorsprung ein und ließen sich dann zurück nach oben ziehen.
    Viel Zeit zum Ausruhen blieb ihnen jedoch nicht. Nach kurzen Anweisungen an den Rest der Crew wurde vorsichtig ein Seil hinab gelassen und schon begann Joe leise über den Rand der Klippe zu klettern. Noch ein kurzes Nicken in Richtung seiner Männer und er begann fast lautlos am Seil hinabzugleiten.
    Ein beängstigender Moment des Wartens begann. Als dann endlich ein Ruck durch das Seil ging, seufzten einige erleichtert.
    Nun war die Reihe an Juan und er folgte seinem Captain ebenso leise, in gewissen Abständen taten es ihm Henry, Edward und ein Teil der anderen nach.
    Kaum war auch der letzte unbeschadet angekommen, zeigte Joe stumm in eine Richtung und nun sahen es alle.
    Ein schmaler Grat, gerade einmal zwei Fuß breit, führte direkt am Fels entlang, um nach einigen Metern sich zwar etwas zu verbreitern, aber in einem schmalen, düsteren Felsspalt zu verschwinden.
    Einige Handzeichen genügten, die Männer verstanden auch ohne Worte. Joe begann sich das Ende eines Seils um die Hüfte zu schlingen, während die anderen das andere Ende fest packten, um ihren Captain im Notfall zu sichern.
    Vorsichtig setzte Joe den ersten Fuß auf den schmalen Pfad, verlagerte ganz langsam sein Gewicht darauf und zog schließlich auch den zweiten nach.
    Der Stein schien belastbar und so begann er langsam und direkt an den Felsen gedrückt, sich voranzutasten.
    Kaum am anderen Ende angekommen und wieder sicheren Halt gefunden, gab er seinen Kameraden ein Zeichen.
    Durch die restlichen Männer gut gesichert, begannen nun auch die anderen, einer nach dem anderen und schon bald hatten sie alle die andere Seite erreicht.
    Kaum hatte auch der letzte wieder einen sicheren Stand gefunden, entledigten sie sich wortlos ihrer Seile, griffen zu den mitgeführten Waffen und schlüpften nacheinander durch den engen Spalt ins Innere des Felsens.

    Und tief, tief unten auf dem Meeresboden saß Phylixa in ihrem gläsernen Palast inmitten all ihrer angehäuften Schätze. Ein Ruck ging durch ihren Körper und ein gellender Schrei löste sich aus ihrem Mund.
    Ihre tiefschwarzen Haare durchzog eine erste weiße Strähne und kleine, feine Fältchen gruben sich in ihr bisher jugendliches Gesicht.
    In ihrem magischen Buch der Formeln war sie auf der Suche nach einer Möglichkeit Joe und seine Begleiter zu vernichten und somit das eigene drohende Ende zu verhindern und sie schien tatsächlich eine Möglichkeit gefunden zu haben. Bestrebt, keine Zeit zu verlieren, machte sie sich ans Werk…
     
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  20. -kulli-

    -kulli- Lebende Forums-Legende

    Teil 39
    Nacheinander schlüpften alle Männer durch den schmalen Spalt und waren sofort von einer bedrückenden Stille umgeben.
    Dunkelheit machte sich breit und nur schwer gewöhnten sich die Augen daran.
    Edward öffnete vorsichtig die Abschirmung an der mitgebrachten Laterne, deren phosphoreszierendes Licht sofort die Finsternis zurückdrängte und den Männern gestattete ihre Umgebung etwas genauer zu prüfen.
    Mit einer stummen Geste teilte Joe die Männer in zwei Gruppen ein, die sich sofort zu beiden Seiten des Weges formierten, und übernahm dann selbst mit Juan die Führung.
    Leise bewegten sie sich durch den langen Korridor, die Hände immer an den Waffen, und erreichten schon sehr bald eine erste Abzweigung.
    Joe gab ein Handzeichen zum Anhalten. Seine wachsamen Augen begutachteten die beiden Wege, doch sowohl zu ihrer Linken als auch im Hauptgang warteten Dunkelheit und Stille.
    Ein kurzes Handzeichen Joes genügte und schon machte sich eine Gruppe von fünf Mann daran, die Abzweigung auszukundschaften, während der Rest wartete und dabei den vor sich liegenden Gang im Auge behielt.
    Es dauerte nicht sehr lange und die Späher waren zurück und konnten Entwarnung geben.
    Der Weg hatte sich als Sackgasse erwiesen. Er führte lediglich zu einem kleinen Spalt in der Felswand, der, da er in Richtung Meer zeigte, höchstwahrscheinlich als Ausguck diente.
    Langsam gingen die Männer weiter und gerieten bald nach einer kleinen Biegung nach rechts an die nächste Abzweigung. Wie sich jedoch sehr bald herausstellte, gab es am Ende des Ganges nichts weiter zu entdecken, als eine kleine schon halb verfallene Kammer, die, wie es den Anschein hatte, schon seit einer Ewigkeit nicht mehr genutzt worden war.
    Ähnlich erging es den Männern auf ihrem weiteren Weg mit noch mehreren dieser Weggabelungen.
    Also folgten sie weiterhin dem Hauptgang, der in Richtung Osten verlief und sich, je weiter die Männer vordrangen, langsam verbreiterte.
    Je tiefer sie sich in das Innere des Felsens hinein begaben, umso stickiger wurde es und das Atmen fiel immer schwerer.
    Schweiß rann Joe und seinen Kameraden über die Gesichter und brannte in den Augen, doch ließen sie sich auch dadurch nicht beirren und sie folgten auch weiterhin fest entschlossen ihrem Weg.
    Wieder einmal gab Joe das Zeichen zum Halt. Seine Begleiter warteten geduldig und Juan hob fragend eine Augenbraue, konnte doch niemand einen Grund für den plötzlichen Stopp ausmachen.
    Der Captain jedoch begann schon aufgeregt in seine Hemdtasche zu greifen und den Kristall herauszufischen. „Wartet einen Moment! Hier stimmt etwas nicht. Es scheint, als wolle der Stein mich vor einer Gefahr warnen.“, zischte er leise.
    Endlich hielt er den Stein in seinen Händen und ging mit ihm noch etwas näher an den schwachen Lichtschein der Laterne.
    „Seht doch nur!“, fuhr er ebenso leise fort. „Er hat all sein helles Leuchten verloren.“ Vorsichtig traten die anderen näher und es war tatsächlich so. Das ansonsten glasklare und leuchtende Innere des Kristalls hatte sich in eine tiefe Schwärze gewandelt.
    „Captain meinst du wirklich, das soll eine Warnung sein?“, flüsterte Henry.
    „Es wäre möglich. Also seid auf der Hut! Seit wir diesen verfluchten Felsen betreten haben, hat der Stein all seine warme Ausstrahlung verloren und ist mittlerweile kalt. Es wäre also möglich, dass irgendwo hinter der nächsten Wegbiegung eine böse Überraschung auf uns wartet.“
    Unwillkürlich umfassten alle die Griffe ihrer Messer, Äxte und Schwerter noch etwas fester, wussten doch alle, dass sich der Captain, den Kristall und seine Macht betreffend, bisher nicht geirrt hatte.
    Schweigend nahmen alle wieder ihre Plätze ein und setzten ihren Weg fort.
    Kurz bevor der Weg wieder einmal eine Biegung nach Süden machte, stießen die Männer wieder einmal auf einen schmalen Gang der nach recht abging.
    Bevor die Kundschafter diesmal jedoch aufbrachen, um ihn näher zu untersuchen, sahen alle zu Joe hinüber.
    „Captain, was sagt der Stein?“, flüsterte Henry ängstlich.
    „Er ist mittlerweile eiskalt. Also solltet ihr acht geben! Ob jetzt am Ende dieses Weges oder hinter der nächsten Ecke, die Gefahr muss ganz in der Nähe sein.“
    Noch vorsichtiger als sonst machten sich die fünf Männer auf den Weg, während die anderen, mit den Waffen zum Einsatz bereit, warten, um beim kleinsten Zeichen eines Kampfes loszustürmen und ihren Kameraden zur Hilfe zu eilen.
    Doch auch diesmal kehrten die Späher zügig zurück und konnten Entwarnung geben.
    Joe sollte jedoch Recht behalten, was seine Vorhersage betraf. Hinter der nächsten Wegbiegung schon konnten dies alle sehen.
    Endlich schienen sie am Ende ihres Zieles. Ein blauer Lichtschein erhellte das Ende des Tunnels und schien sich wabernd auszubreiten.
    Obwohl die Männer sich der Gefahr bewusst waren, so konnten sie doch nichts dagegen tun, dass sie von dem magischen Licht regelrecht angezogen wurden.
    Völlig willenlos strömten sie auf die Lichtquelle zu, während der Stein in Joes Hand immer mehr erkaltete.
     
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